Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Österreich
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 318 (sequence 10)
- Language
- German
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318 G. Wolf, Zur Geschichte der Juden in Österreich. hätten erst in diesem Jahre dem Herzoge von Amalfi fl. 12 000 und für die Grenzhäuser fl. 6000 gegeben, zu welchen Zwecken die andern Einwohner des Königreichs Böhmen nichts beigetragen hätten und trotzdem sie in solch schwerer unverhältnißmäßiger Weise, daß Gott erbarme, zu Steuern herangezogen werden, wurden sie Groß und Klein durch „gewisse" Commissäre mit erbärmlichen unerhörten Mitteln verhalten, sich von der Judengasse auf den Tummelplatz zu begeben. Da standen sie den ganzen Tag aus allen Seiten von Musquettiren umgeben und bewacht, damit sich niemand entferne. Inzwischen begab sich eine Commission auf den jüdischen Friedhof, in die Schulen, in die Häuser, wo sie Keller, Betten und Salvo Korwi-S in die heimlichen Gemächer drangen und untersuchten ob sich noch etwa Personen daselbst befinden. Sie weisen ferner darauf hin, daß Kaiser Ferdinand 1628 das ganze Steuerquantum auf fl. 40000 festgestellt habe. Nichts desto weniger gaben sie in den Friedländerschen Zeiten (Wallenstein) außerdem noch fl. 20 000 und im Jahre 1645 fl. 15 000, auf vielfältige und schwierige Exemtionen habe man neuerdings fl. 3000 erpreßt. Da sie aber mehreres nicht leisten konnten, so habe man den Oberrabbiner und die Ältesten ins Gefängniß auf den Hradschin gebracht, so „daß die Gemeinde wie Schafe ohne Hirten gänzlich ruinirt sterben und verderben müsse". Sie bitten daher der Kaiser möge „über unsere arme ruinirte Gemeinde, Weib und Kinder vielfältiges Weinen und Schreien sich allergnädigft erbarmen und uns eine solche Last auflegen, die wir ertragen und abführen können." Die Ältesten wendeten sich auch in dieser Angelegenheit an den Oberstburggrafen. In diesem Promemoria heben sie hervor, daß man ihnen alle Nahrungswege versperre „als Sperrung unserer wenigen täglichen Nahrung auf dem.. Tandelmarkt, Verpetschirung unserer Schulen, Verarrestirung unserer Ältesten, Einquartirung der Soldaten und uns die Judengasse derart gesperrt, daß uns zur Aufbringung des Lebens alle Mittel verschrenkt und verlegt sind", so daß sie nicht allein mit einander in Hunger und Kummer verderben, sondern auch was Gott verhüten möge, durch eine Jnfection (es war im Hochsommer) auch den Christen Gefahr bringen können. Sie bitten daher sich ihrer als „Kammergut" zu erbarmen, damit sie nicht auf einmal, elendiglich sterben und verderben. Die Ältesten berichteten ferner über diesen Vorgang an ihre Freunde und „Abgeordnete" der jüdischen Gemeinden in Böhmen. Sie erzählen, daß sie an einem Sabbat zehn volle Stunden in der größten Hitze ohne zu essen und zu trinken aus dem Tummelplatz gestanden. Inzwischen wurde in den Häusern Untersuchung gehalten, ob sich nicht etwa noch Juden, die nicht angemeldet sind, vorfänden, aber man fand nur die Kranken, Weiber und Kleingesindel. „Ihr werdet Euch erachten, was für ein Schrecken und Angst bei den Weibern und kleinen Kindern gewesen ist" (die Octavio Piccolomini. Dieser empfahl 18. Juni 1651 dem Kaiser, den Juden die Steuer auf fl. 24 000 herabzumindern und „unterstehe mich, wie es in diesem Schreiben heißt, zu getrösten daß hierdurch keine Ungnade zu ertragen habe".