Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Österreich
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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G. Wolf, Zur Geschichte der Juden in Österreich. 311 liche Commissär Johann Rabenhaupt (Prag 29. August 1571) an den Kaiser mit der Bitte eine Entscheidung darüber zu treffen, wem die Juden unterstehen sollen. Zugleich brachten sie zur Anzeige, daß ein Jude der betreten wurde die gute Münze beschnitten zu haben, was in früherer Zeit bekanntlich häufig vorkam, gefänglich eingezogen wurde. Hierauf ersloß, 23. Oct. 1571 folgende kaiserliche Resolution: Maximilian:c. aufs euren vns vom 29. jüngfthin gethanen gehorsamsten Bericht die Verordnung und satzung der Eltisten Juden zu Prag betreffende, wollen wir Euch genediger Meinung nit pergen das solche verneuerung der Eltisten Juden wir uns selbst vorbehalten haben wollen. Es ist auch allbereit die fachen bey uns einschicken die wir mit ehisten genedigst befördern vnd hier Innen Verordnung thun wollen. Der Kaiser behielt sich also vor in Betreff der Wahl der Ältesten selbst die Entscheidung zu treffen. Was den Münzfälscher betrifft, wurde der Auftrag gegeben, „da dessen Leib und Gut verfallen", daß man sich erkundige, wer derselbe und wie groß sein Vermögen sei und soll dieses confiscirt werden. „In aller Wegen aber daraus bedacht sein, damit uns diesfalls nichts entzogen oder den Juden nachgesehen werde." (Der Name dieses Falschmünzers ist nicht angegeben.) Selbstverständlich wurde durch das angeführte kaiserliche Mandat den Uebelständen nicht abgeholfen. Da die Verhältnisse jedoch immer unleidlicher wurden, so brachten 53 Mitglieder der Gemeinde am 24. November 1577 (14. Kislef 5338) an Kaiser Rudolf II. eine Bittschrift ein, in welcher sie vorschlugen auf Grund der Ordnung, welche Rabbi Meier Katzenellenbogen zu Padua, Maharam Padua (gestorben 22. Januar 1565), Rabbi Jacob aus Worms, Oberrabbiner in Deutschland, Onkel des „hohen" Rabbi Low (Lewa ben Bezalel), Lazarus Trisas (Treves) Lehrer von David Gans, gest. 1563, Rabbi Salem Herschlam und Rabbi Jsak Linz (letztere sind mir unbekannt) gemacht, in der Weise die Wahl vorzunehmen, daß die Gemeinde wähle und zwar für ein Jahr, jedoch müssen die Gewählten vom Kaiser bestätigt werden. Das Schriftstück, obschon es 53 Unterschriften trägt, ist in der Weise abgefaßt, daß die Person, die es unterschrieb, von sich im Singular spricht. Unter den Unterschriebenen befinden sich: Mardochai Samuels Sohn sonst Mensel genannt (der bekannte Mardochai Meisel, der die Meisel-Synagoge in Prag erbaute), Mardochai und Inda, des berühmten Gerson Buchdruckers Söhne. Sonntag, am 21. December 1578 wurde von den vier Ältesten, die in diesem Monat sungirten, im Verein mit den andern Ältesten und Gemeindeältesten nebst jenen, die von der -Gemeinde als Wahlmänner aä koo gewählt wurden, ein Comitö von vier Personen gewählt, welche bei der 5) Vergl. meine „Actenstücke" in Steinschneiders hebräische Bibliographie IV S. 151 und V S. 40.