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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 272

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Ein Brief Moses Mendessohns und sechs Briefe David Friedländers
Date
1887-01-01
Page
Seite 272 (sequence 20)
Language
German
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272 Ein Brief Moses Mendelssohns und sechs Briese David Friedländers. muth zu sehn, da Ihnen bekannt geworden, daß ich dieses Sendschreiben nicht versaßt habe. Wenn ich nicht gewußt, was anfangs Ihr Schmerz, so weiß ich nicht, was nun Ihre Freude soll". Doch alles dies sind „eitle Worte, die nichts nützen". Die Frage darf bei solchen Untersuchungen, als die genannte Schrift aufstellt, nicht sein: wer hat sie geschrieben, sondern: wie sind die Untersuchungen beschaffen, sind sie mit Geist, mit Wahrheit und Vernunft geschrieben? Und ich muß gestehn, eigne Betrachtungen stimmen mit dem Verfasser nur zu sehr überein, und nach dem Namen ist mir wenigstens zu fragen noch gar nicht eingefallen. Über die Materie selbst haben wir freilich Dispute genug gehabt, allein so lange Sie anstatt der Gründe von „Entweihung des großen Namens", von „Unterstützung der Frevler", von „Läugner an der Grundwahrheit" sprechen, kann ich Ihnen nicht antworten und werde Ihnen nichts antworten. Gründe scheinen überhaupt bei Ihnen nicht viel zu fruchten. So bewies ich Ihnen „klar wie die Sonne", daß, wenn Sie „jüdische Knaben" aus Glogau nach Berlin schicken, aus ihnen nichts als so von Ihnen selbstgenannte „Ungläubige, Grundsatzläugner, gewaltthätige Räuber" entstehen können. Was haben die Gründe gefruchtet? Daß Sie statt eines mehrere solcher Buben hergeschickt haben, um sie nach Ihrer Meinung um die ewige Seligkeit zu bringen. Was soll ich nun sagen? Überhaupt, mein l. Freund, durch Schimpfen widerlegt man nicht. Aber, wie ich gehört habe, kommen die Geonim, die Weisen unserer Zeit, und an ihrer Spitze das Haupt der Krone Israels, der berühmte Gaon, der Rabbiner Ihrer Gemeinde, berathen sich zusammen, um ein großes wunderbares Werk zu schreiben, gegen den Verfasser jenes schmählichen Sendschreibens und in diesem großen Werke, welches anmuthig und vernünftig geschrieben sein wird, soll das Büchelchen so total widerlegt sein, daß der Verfasser sich vor Scham und Schande wird verkriechen müssen. Wenn das wahr ist, wie ich denn daran nicht zweifle, bitte ich mir durch die nächste Post ein Exemplar aus. Sehen Sie, l. Freund, diesen ruhigen stillen Weg hätten „die Weisen der Zeit" immer einschlagen sollen, so wäre die „Abgötterei wegen unsrer großen Sünden" nicht so stark eingerissen. Aber da haben sie immer mit dem „Schmerzensstab" regieren wollen, mit dem „verschiedenen Banngraden" und haben das Übel nur vergrößert. „Heil Dir Großglogau, daß ein großer Mann von Israel in Deiner Mitte ist, die Dornen aus dem Weinberge zu vertreiben mit dem Stabe der Anmuth und mit einem Buche, das voll Geschmack und Einsicht ist". Schicken Sie mir ja die Gegenschrift von Ihrem Rabbi, „damit mein Geist auflebe und meine Seele sich segne." David Friedländer.

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