Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 271

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Ein Brief Moses Mendessohns und sechs Briefe David Friedländers
Date
1887-01-01
Page
Seite 271 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2259275-2259313-2259317-2263304--0300-2263399
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

und sechs Briefe David Friedländers. 271 Nahrung für zwei, Abends Nahrung für eine Mahlzeit", oder sagt er mir nicht, was auch Sokrates und mein schlichter Verstand mir sagt: „Wer grade wandelt, Recht ausübt, und Wahrheit redet nach seinem Herzen, sein Geld nicht auf Wucher gibt u. s. w." Aber Ihr Herrn Theologen versteckt Euch hinter Worte: „die Prophezeiung und die Lehre vom Himmel ist ein Pflock, der nicht wankt vom Samen Abrahams". Dies sind Ihre Worte. Was ist das für eine Lehre? Führt sie mich, wohin mich Jesajas und David führen, gut, so will ich sie annehmen; lehrt sie mich aber albernes Zeug oder gar Hartherzigkeit, wie die oben angeführten Dinim, so verwirst sie mein Kops und mein Herz. Wahrlich, Ihr seid wie die Kinder, steckt Euch schwarze Masken vor das Gesicht, laust vor den Spiegel, erschreckt und glaubt, der Teufel verfolge Euch. „Ihre meisten Worte sind Räthsel und Gleichnisse" sagen Sie, gut für Sie, ich brauche sie nicht, Sie wollen mir noch immer den 2^ 2^ und ^55">55" 7^5M 1) zur Lektüre aufdringen, ich danke schön; ich lese lieber den englischen Zuschauer und einen ordentlichen Geschichtsschreiber. Ich schätze den Rambam, wo er philosophirt, ich schätze Bechai, ich schätze den Cusari, aber ich weiß auch, daß neuere Schriftsteller die Sachen, auf welche es ankommt besser, gründlicher und deutlicher vorgetragen haben. Und „kurzum"! Wenn ich in Glogau in Ihrem Hause zu Ihrem eignen Rebbe gehe, und nach More Nebuchim, Bechai, Cusari frage, so bin ich in Gefahr, als „Abtrünniger" gesteinigt zu werden, denn er hält Rambam, R. Joseph und R. Inda für „Abtrünnige." Und damit genug und mehr als genug! Sie sind unverbesserlich und da wir nach Ihrer Meinung in jener Welt nicht zusammenkommen werden, so lassen Sie uns hier brav mit Sammt und Terzinell handeln. Erziehen Sie Ihren Enkel „in Gottes Lehre und seinem Werk", und lassen Sie mich mein Bürgerrecht genießen, welches darin besteht, meiner geringen Vernunft zu folgen, danach zu handeln, und lassen Sie mich bei meiner Überzeugung, daß man nur auf meinem Weg das Bürgerrecht im Himmel erwerben kann; ich will Sie in Ihrem Glauben nicht wankend machen. Ich beharre stets in unverminderter Freundschaft. Leben Sie wohl! David Friedländer. 6. Berlin, 4. August 1799. Mein lieber Freund! Sie haben mir schon von Frankfurt aus einen Brief zukommen lassen, wovon ich zwar nicht viel verstand, aber soviel konnte ich merken, „daß Ihr Auge thränte, weil man Ihnen gesagt, daß ich das herzkränkende Sendschreiben an den gelehrten Teller verhaßt habe". Ich erhalte gestern wieder ein Schreiben und bin ebenso verwundert „Sie froh und wohlge- Deutsch-Hebr. Schriften fürs Volk erschienen 1706 in Amsterdam. 18*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.