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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 269

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Ein Brief Moses Mendessohns und sechs Briefe David Friedländers
Date
1887-01-01
Page
Seite 269 (sequence 17)
Language
German
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und sechs Briefe David Friedländers. 269 5. Berlin, 8. April 1799. Mit unserem Briefwechsel, wenn er nicht Sammt und geblümten Terzinell betrifft, hat es sein Ende und dieses ist der letzte Brief, welchen ich in andern Angelegenheiten schreibe. Unter allen Sophisten, die es gegeben, hat es Niemand weiter und ärger getrieben, als Sie. Ich schreibe Ihnen als ehrlicher Mann, daß Sie Ihren Enkel nicht nach Berlin zum Erziehen schicken sollen, weil er kein frommer Jude bleiben kann, weil zu unfern Zeiten selbst dem Bl'ödsichtigsten die Schuppen von den Augen fallen, die „traditionellen Gesetze" ihren Werth verlieren und verlieren müssen. Ich belege diesen Satz mit Beweisen, welche „einem Kinde von einem Tage" einleuchten müssen und denke, wie verdient ich mich um Sie mache. An dessen Stelle übergehen Sie alles das mit Stillschweigen, schreiben mir einen hebr. Brief, womit man Alles hübsch unter Decke und Schleier stellen kann, und bezüchtigen mich, ich sei ein „Abtrünniger" und geben mir Anweisungen auf längst verschollene Häuser, die mich nicht befriedigen können, und mich mit bitterem Protest zurückschicken. Ist das ehrlich, ist das freundschaftlich, ist das gottesfürchtig gehandelt? Der Rambam als Philosoph ist mir ein höchst ehrwürdiger Mann. Wenn er lehrt, der höchste Grad menschlicher Vollkommenheit ist „Vervollkommnung in sittlichen Eigenschaften, sodaß die Sitten der Menschen zu ihrer höchsten Reinheit gelangen; der größte Theil der Gesetze hat blos den Zweck, zu dieser Art von Vollkommenheit zu führen", — so falle ich ihm bei. Noch vortrefflicher lehrt er „in seiner Erklärung zu dem Verse: es rühme sich nicht der Weise u. s. w., daß die Vervollkommnung des Menschen, deren man sich wohl rühmen darf, darin besteht, zur möglichsten Kenntniß Gottes zu gelangen, seine Vorsehung und seine Geschöpfe zu begreifen, da er sie hervorgebracht und geleitet hat, dieser Kenntniß nachzugehn auf dem Wege, auf welchem man dem Kinde vorschreibt, Recht und Gerechtigkeit zu üben und damit sich den Wirkungen Gottes ähnlich zu machen." Wenn ich Fürst gewesen wäre und er mit mir in einer Zeit gelebt hätte, ich würde ihn zu mir genommen, ihm meinen Pallast eingeräumt und eine große Pension ausgesetzt haben, damit er nur das liebe Volk Israel, das schon zu jener Zeit sehr ausgeartet war, auf den rechten Weg leiten helfe. Aber ich hätte nur dürfen ein einziges Mal seinen „Jad hachasakah" aufschlagen, ich hätte nur dürfen den einzigen Din darin lesen: „Wenn ein Brand am Sabbath ausbricht, so ist der, welcher ihn löscht, um blos Geldverlust zu vermeiden, strafbar, denn Geldverlust vermag den Sabbath nicht zu verdrängen, sondern nur Verlust an Menschenleben. Deshalb sollen die Menschen herausgehen, damit sie nicht sterben und das Feuer brennen lassen, wenn es auch die ganze Stadt abbrennt"; — und der Mann sollte mir Knall und Fall aus dem Hause heraus müssen. Aus dem Hause, nein mit ihm gleich über die Grenze, denn ich, Fürst, hätte so räsonnirt: Entweder folgt ihm seine Nation, dann sind sie ärger als Mordbrenner; diese zünden die Häuser aus Gewinnsucht oder leidenschaftlicher Rache an, Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutsch!. 18

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