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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 264

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Ein Brief Moses Mendessohns und sechs Briefe David Friedländers
Date
1887-01-01
Page
Seite 264 (sequence 12)
Language
German
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264 Ludwig Geiger, Ein Brief Moses Mendelssohns dem Schöpfer des Alls," wird man finden, daß wir Grundsätze von Menschenfressern in der Sprache, wie sie Hottentotten sprechen, besitzen, und nicht „die Lehre des lebendigen Gottes, durch welche wir ausgezeichnet waren zur Würde und zur Ehre." Was daraus hervorgeht, da wir „vermischt unter den Völkern" sind, und „alle Völker, welche rings um uns sind jeden Tag," suchen ihre Religion zu prüfen, und „das Genießbare aus dem Ungenießbaren auszuwählen," ihre Moral zu reinigen, ihren Glauben zu verbessern, wir aber „von der höchsten Stufe" immer tiefer und tiefer hinuntersteigen, da ferner die Unwissenheit „unter den Söhnen unseres Volkes" aus eine schreckliche Weise zunimmt: „kaum werden Sie in zwanzig Jahren Jemanden finden, der in der Thorah lesen kann," die Gemarah äußerst verachtet ist, und „von der Würde unserer heiligen Lehre" tagtäglich etwas verloren geht, — so muß die natürliche Folge davon sein, daß — „mein Haar sträubt sich, wenn ich dessen gedenke, die Kinder, welche nach uns kommen werden" erst „das Gesetz der Israeliten von ihren Schultern abwerfen" und dann „zum Glauben der Nazarener" übergehen werden. Wenn unsere Rabbinen nicht ganz blind wären, wenn sie nur nicht immer „in den vier Ellen der Halacha" wohnen möchten, wo sie so wenig wissen, was in der Welt vorgeht, als ich weiß, was der Nabob in Schandragori thut, würden sie daran denken „den Riß zu umgärnen, aber es nimmt keiner zu Herzen." Sie glauben, wenn sie schreiben: es ist ein „leichtsinniges Geschlecht, vom Himmel möge man sich erbarmen," so haben sie das ihrige gethan. Nur allein, was können sie auch thun? sie sind selbst äußerst unwissend, abergläubisch und „ihr Auge ist verklebt zu sehen, ihr Herz zu begreifen. Alles dieses habe ich zu Herzen genommen schon zwanzig Jahre und habe keine Wege gefunden aus dieser Verwirrung zu kommen, als den einen: das harte Joch zu brechen, welches auf diesen Nacken nach dem Befehle des Königs und der Richter der Erde, die nicht Israeliten sind, gelegt ist, und das Joch und die Lasten von uns zu nehmen, die sie auf unsre Schultern gewälzt haben, indem wir uns Fürsten, Rabbinen, Vorsteher und Führer geben." Nur, wenn wir frei stehn und weder die herrschende Partei zu fürchten haben, noch in unsrer Aufkärung „von Seiten des Rabbiners, des Vorstehers der Gemeinde durch Bann der verschiedensten Arten" oder durch „Schmähungen, wenn man unsere Körper zur Erde bestattet" gefunden werden können, ist es möglich, „das Horn Israels zu erheben und das Gesetz unsrer Väter und die Lehre Mosis auf ihre Höhe zu tragen, das jetzt bis zur Erde erniedrigt ist." Es ist aber so wenig in dem Reformplan von dem „Gesetze Israels" die Rede, daß ausdrücklich darin steht: Niemand soll in seinem Ritualgesetz oder seiner Religion gehindert werden. Daß aber „wenn Gott an uns Wohlgefallen hat und Ausgezeichnete im Volk aufstehen läßt, welche den Gott Israels fürchten," eine Verbesserung des Religionssystems „im Laufe der Zeiten" entstehen kann, das wünsche ich, das hoffe ich, das will ich gern zu bewirken suchen. Wenn ich auch nur den Anfang davon sehen könnte, „würde ich froh und vergnügt in die Grube steigen." Soviel von dem Vorwurf: „Das Gesetz Israels hast Du zur Erde getreten."

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