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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 263

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Ein Brief Moses Mendessohns und sechs Briefe David Friedländers
Date
1887-01-01
Page
Seite 263 (sequence 11)
Language
German
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und sechs Briefe David Fricdlä'nders. 263 Händen und gehen Sie sie durch. Wem Gott, Religion und Wahrheit etwas Werth ist, wer nicht mit diesen allerehrwürdizsten Dingen seinen Spott treiben will, wird finden, daß in diesen Schriften von Gott die allerabscheulichsten und heidnischsten Begriffe gelehrt werden. Er wird darin körperlicher und menschlicher dargestellt, als in irgend einem Religionssysteme von der Welt. Wie die Menschen den Geist der heiligen Sprache nicht kennen, so verkörpern sie Gott immerfort auf eine vernunftwidrige Weise. Den Vers: „Gott wird für Euch streiten, und Ihr sollt stille sein," erklärt „ein Großer der Zeit," welchen Jecheskel Jamble als „Worte, die aus dem Munde eines Weisen Hervorgehn," anführt, dahin, daß wir deswegen nicht ganz Halel am 7. Tag Peßach sagen. „Deshalb, weil die Engel sollten Gesang anstimmen, sagte ihnen Gott, die Werke meiner Hände versinken in das Meer und Ihr sollt Gesang anstimmen," und: die Eghpter werden gerichtet werden „obgleich ihr Maß nicht voll war." Schrecklicher Satz: Das heißt also: „Gott wird für Euch streiten, obgleich das Maß der Eghpter nicht voll war;" „und Ihr sollt schweigen" Gesang anzustimmen. Ich führe Ihnen dies blos als Beispiel an. Und diese Stelle ist blos lächerlich; Sie können auf jeder Seite abscheuliche finden. Das von den Begriffen von Gott. Was die Rabbinen unter Religion verstehen, brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Dreitausend Jahre nachder Gesetzgebung untersucht Jecheskel Jamble, ob man „nachdem man weniger als eine Olive groß gegessen, noch einen Segensspruch nachher sagen muß, oder nicht." Wer also dies thut, oder nicht, „gehört entweder dem Gesetz Israels an oder nicht." Was sie Wahrheit nennen, kann man sich noch leichter vorstellen. Das edelste Geschenk der Gottheit, die Vernunft wird in beiden Büchern wie eine geknechtete Magd behandelt und man hat noch die Stirn zu sagen, daß durch die Übersetzung des Pentateuch „Finsterniß, Wolken und Nebel" über die Welt gekommen ist ^). Wenn das „Richter und Führer des Volkes" lehren, was glaubt dann die ganze Masse? Denken Sie sich „die Gesammtheit Israels in einem Zimmer, und ich und Sie stünden an der Thüre des Hauses, um zu untersuchen und einen jeden Herausgehenden zu fragen:" Was ist Gott? was ist Judenthum? was ist Tugend? was ist Wahrheit? „Wahrlich, Sie werden nur Wenige finden," welche Ihnen einen etwas deutlichen Begriff von einer dieser Sachen werden geben können. Wir besitzen hier einen Mann, einen sog. „Thorahkundigen, der jeden Tag lernt," der „für das jüdische Gesetz" das Leben lassen will, der nichts genießt „ohne Segensspruch vor- und nachher, und er ist ein reicher Mann, von vielem Vermögen" und dieser nämliche Mann ließ vor einigen Jahren seinen leiblichen Bruder „betteln zehn." Mit einem Worte: Wir wissen nicht mehr, was Religion und Tugend ist. „Und wenn wir vor Gericht kommen, um gewogen zu werden vor 2) Die beiden angeführten Rabbiner erregten hauptsächlich den Sturm gegen Mendelssohns Bibel-Übersetzung.

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