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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 262

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Ein Brief Moses Mendessohns und sechs Briefe David Friedländers
Date
1887-01-01
Page
Seite 262 (sequence 10)
Language
German
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262 Ludwig Geiger, Ein Brief Moses Mendelssohns weder so groß wie ein Mensch, noch ist seine kleinste Zehe größer wie die ganze Erdkugel; beides sind sinnliche Begriffe, die die Vernunft verwirft. Nur insofern kann der Philosoph ein Volksshstem mehr schätzen als das andere, insofern nämlich, daß dem einem mehr richtige Begriffe zu Grunde liegen, als dem anderen und er hoffen darf, ihre Anhänger werden endlich erwachen und sich aus dem Schlamm, in den sie versunken sind, herausarbeiten. Derjenige Anhänger eines Volkssystems aber, der bereits die Nase aus dem Sumpf herausgesteckt und sie nun mit Fleiß wieder hineintaucht, und sich noch obendrein bereden will, er liege auf Rosen, was soll ich mit diesem Querkopfe anfangen? David Friedländer. 3. Berlin 15. Adar 5552 (Febr. 1792). Mein lieber Reb Meier! Nach Ihrem schönen Briefe aus Frankfurt zu urtheilen bin ich großer Vergehen angeklagt durch die Reform, welche ich für „unsere Gesammtheit" zu verschaffen gesucht'): „Du hast diesem Volke sehr übel gethan. Du hast es nicht errettet. Du hast die Last des Königs auf dem Volke erschwert. Umhergestoßenen Armen hast Du das Haus verschlossen. Ihre Kinder sollen kämpfen für ein Land, das nicht uns gehört. Im weiten Lande sollen sie nicht Handel treiben können. Das Gesetz Israels hast Du zur Erde getreten." Ich bin ehrlich genug, alle diese Borwürfe in ihrer größten Stärke aus Ihrem Briefe auszuziehn, und Ihr Freund genug, um mich in deren pünktliche Beantwortung einzulassen. Denn ich könnte Ihnen mit einer Zeile antworten, nämlich: Lieber Reb Meier, Alles, was man mir zur Last legt, ist ersonnen und erlogen, und auch nicht ein einziges Wort davon ist wahr. Aber ich will Ihnen doch zu Ihrer Belehrung über jeden einzelnen Punkt Red und Antwort geben. Zu Ihrer Belehrung sage ich, denn mich in den Augen meiner Volksgenossen zu rechtfertigen, wird mir nicht einfallen. Lesen Sie meinen Brief mit Ernst und Aufmerksamkeit durch und Sie dürfen ihn denen mittheilen, „die Augen haben zu sehen, ein Ohr zu hören und ein Herz, das Wort der Wahrheit zu vernehmen." Ich fange mit dem letzten Punkte an. „Das Gesetz Israels Haft Du zur Erde getreten." Wie ich über das Gesetz Israels und über die Führer unseres Volkes urtheile, ist Ihnen bekannt. Ich habe Ihnen meine Grundsätze bald im Scherz, bald im Ernst vorgetragen. Nehmen Sie als ein wahrer, ehrlicher, und verblendeter Mann die zwei „Bücher von zwei gegenwärtigen Rabbinen", ich meine das Buch slL?^? von Raphael Cohn 2), und das Buch 552)7 sl"^ von'R. Jecheskal Jamble^) in 2) Vgl. oben die Einleitung. 2) Erschienen Altona 1790. R. C. ist der Großvater von Gabriel Rießer. 2) 3 Theile. Prag 1784—1799.

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