Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ein Brief Moses Mendessohns und sechs Briefe David Friedländers
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 9)
- Language
- German
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und sechs Briefe David Friedländers. 261 wieder Worte, unter die sich wieder unvermerkt ein körperlicher Begriff hineinstellen kann, also ein ganz unbegreifliches Wesen, so unbegreiflich dem Verstand, als unbegreiflich dem Herzen. Sowie sein Wesen unbegreiflich, so haben auch seine Eigenschaften kein Maß mit menschlichen Eigenschaften, kein Maß mit menschlichen Begierden, mit menschlichen Gesinnungen u. s. w. Er ist allgerecht, allweise und allgütig; nicht gütig wie ein Mensch, der dem Sohn ein Verbrechen verzeiht, weil der Sohn ihm Dienste erzeigt, denn das würde seiner Allgerechtigkeit widersprechen u. s. w. Dieser Gott kann den Lauf der Natur nicht hemmen um seines Lieblings willen, denn er hat keinen Liebling; er kann der Sünde nicht verzeihen, denn jede Handlung hat eine Folge und jede Sünde ist eine Handlung; er müßte also wiederum den Lauf der Natur hemmen, wenn er die Wirkung einer Ursache aufheben wollte. Es giebt aber, sagt der Theologe, Sünden gegen Gott, die keine Folgen haben, z. B. wenn ich an einem gewissen Tage einen Palmzweig nicht zur Ehre Gottes bewegt habe. Lieber Theologe, würde ich antworten, nennst Du auch dies Sünde, so lasse ich mirs gefallen, obschon ich Dein „zur Ehre Gottes" nicht verstehen kann. Ich Staub, ich Asche kann Gott nicht ehren. Ich nenne nur das Sünde, was meine.Natur herabwürdigt, was mich oder meine Nebenmenschen beleidigt. Übrigens schleppe mir nicht aus Deinem Volkssystem Redensarten in ein Gespräch hinein, das blos philosophisch sein soll, und wo kein Glaube, keine Phantasie, keine Einbildungskraft, sondern blos Verstand herrschen darf. Wenn Du Theologe, meine Sprache nicht verstehst oder nicht verstehen willst, wenn Dein Kopf oder Dein Herz nicht taugt, so bleibe in Deiner Zelle und störe mich nicht in meinem Nachdenken. Genug, ich kann Dein schwammmigtes, kauderwelsches, unausstehliches Geschwätz schon lange nicht leiden. Dein Gott, sagst Du, hat dem Feuer befohlen, gewisse Häuser nicht zu zünden, welche nach dem gewöhnlichen Lause der Natur ein Raub der Flammen hätten werden müssen, weil ihre Vorfahren richtigere Begriffe von dem allmächtigen Wesen gehabt haben, als andere Völker. Heuchler! indem Du Gott diese schwächliche, menschliche, niedrige Eigenschaft beilegst, zerstörst Du ja den richtigen Begriff, auf welchen, Deiner Meinung nach, Gott soviel hält. Dein Gott ist ja ein schwaches, menschliches Wesen, das zu Gefallen, aus Nachsicht handelt, das ist ja der Gott der Kamtschadalen, der auch zornig und freundlich ist, gewissen Familien wohl, gewissen böse will, — das ist mein Gott nicht. Und wenn Du Dir hundertmal die Miene der Frömmigkeit giebst, und das Ansehn Dir geben willst, als wärest Du eben dadurch ein Anbeter Gottes, so lügst Du oder Du lügst Dir selbst etwas vor. Du sagst auch, Gott sitze auf einem Stuhle, worunter unseres Erzvaters Jakob Porträt ist, und wenn sein Zorn in seiner Nase aufsteigt, so blickt er geschwind auf das geliebte Bild und besänftigt sich. Ist das nicht der elendeste Götze, den sich je ein rohes Volk zu seinem Gott erwählt? Und doch soll Gott diesem Volk zu Gefallen Wunder wirken I Mit einem Worte: Sind Sie ein Anhänger des Volkssystems, so ist es mir gleichviel, ob Sie eine kamtschadalische, oder tartarische, oder chinesische oder chaldäische Religion haben. Jrrthum ist Jrrthum. Gott ist