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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 259

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Ein Brief Moses Mendessohns und sechs Briefe David Friedländers
Date
1887-01-01
Page
Seite 259 (sequence 7)
Language
German
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und sechs Briese David Friedländers. 259 -von den Gebeten voller Gotteslästerung und Abgötterei ist. Das will ich Ihnen beweisen, wann Sie wollen. „Es war aber nicht unser Verdienst, sondern das Verdienst unserer entschlafenen Väter." Welche Väter? Reb Meier Egers seine? Reb Gnantsches seine oder Wolf Elias seine? Oder meinen Sie Abraham, Isaak und Jakob? Welcher unsinnige Gedanke! Gott will unsere Häuser verbrennen lassen, auf einmal fällt ihm ein, daß etwa vor 3300 Jahren ein Mann in der Wüste Arabiens gelebt, der seinen Engeln Rinderzunge mit Senf vorgesetzt hat. Und nun ist er so artig, und läßt das Feuer seine Natur verlassen, daß es Häuser, die „auf Spinnweb und faules Holz gebaut sind" verschont und „G'ötzendienerwohnungen" verzehrt. Ich weiß wahrhaftig nicht, was Sie mit dem Briefe gedacht haben. Wollten Sie sich über die ganze Sache lustig machen, so war der Scherz bei einem so ernsten Vorfall sehr unanständig, ist es Ihr Ernst, so rathe ich Ihnen einen Aderlaß. Der allmächtige Gott, der immer nach ewigen und weisen Regeln handelt, und seine Natur wirken läßt, gebe Ihnen ins Herz vernünftige Bücher zu lesen, daß Ihr Verstand aufgeheitert werde, und Sie sich in einer Sprache ausdrücken, die keine solchen Abweichungen von den richtigen und wahren Grundsätzen zuläßt. Das wünscht Ihnen zum neuen Jahr Ihr Freund David Friedländer. 2. Berlin. Am Rüsttage des Neujahr 5549 (Sept. 1789.) „Das Jahr beginne mit Segen." Nur auf meine Art läßt sich Ihr zweites Schreiben vom 27. erklären. Sie wollen nämlich durch Ihren Spruch mich zum Schreiben reizen und das elende Vergnügen genießen, mich über die bestrittene Sache witzige Einfälle aussprechen zu sehn. Das soll Ihnen aber nicht gelingen, und zu Ihrem Verdrusse, aber auch zu Ihrer Belehrung und zur ernsthaften Würdigung nehme ich mir die Zeit, Ihnen meine Meinung ganz ernsthaft mitzutheilen. Jedes denkende Wesen, das eine Spanne weiter, als unser kurzes Leben auf Erden dauert, nachsinnt, und sich über die Frage: Was bin ich? was ist meine Seele? was meine Bestimmung? Aufschluß verschaffen will, muß nothwendig auf die Idee eines ewigen Urwesens gerathen, dem er sein Dasein zu danken hat und dem er dereinst, obschon er nicht weiß, wie und wo und aus welche Art von allen seinen Handlungen Rechenschaft geben wird. Wenn kein Gott wäre, sagte ein französischer Weltweiser, so müßten wir uns einen erfinden. Denn ohne Gott ist und wäre unser Leben, Entstehen und Sterben ein Räthsel voll Verwirrung, Widerspruch und Ungereimtheit. Das ist nun, Gott sei Dank, nicht n'öthig. Denn jedem Wahrheitsfreunde, der mit offenen Augen und Ohren begabt ist, leuchtet die Existenz eines solchen ewigen Wesens deutlich ein, ist ihm gewiß wie seine eigene Existenz.

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