Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 257

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Ein Brief Moses Mendessohns und sechs Briefe David Friedländers
Date
1887-01-01
Page
Seite 257 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2259275-2259313-2259317-2263304--0286-2263385
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

und sechs Briefe David Friedländers. 257 Würde dies abgeschüttelt — und das sei bei den Ausgeklärten schon geschehen — so ständen die Juden den Christen ebenbürtig gegenüber , ja, sie erhöben sich über dieselben, weil sie in ihren Grundsätzen der Moral ebenso vortrefflich seien, wie jene, in den Grundlehren der Religion aber vortrefflicher, weil sie nichts lehrten, was nicht durch die Vernunft gebilligt oder bewiesen werden könnte. Daher könnten und wollten sie auch keine Sätze annehmen, die des menschlichen Verstandes spotteten. Gäbe es bei solcher Überzeugung einen Weg, vollberechtigte Söhne des Vaterlandes zu werden, so wollten sie ihn gehen, und sollten sie dabei auch das äußere Zeichen des Eintritts in das Christentum, die Taufe annehmen. Auf ein solches Beanspruchen eigentümlicher Privilegien konnte Teller als protestantischer Prediger natürlich nur eine ablehnende Antwort geben und Friedländer blieb Jude, ohne später wieder auf sein seltsames Verlangen zurückzukommen. Eine ausführliche Charakteristik von David Friedländer will ich hier nicht geben. Ich begnüge mich damit, die Worte Wilhelms v. Humboldt zu wiederholen, welche dieser nach dem Tode Friedländers an dessen Sohn richtete (2. Jan. 1835): „Er hatte sich und allein durch sein Verdienst und Talent einen ganz eigenen Standpunkt errungen. Uns wird gewiß immer unvergeßlich bleiben, wie er bildend auf uns eingewirkt hat. Durch das große Wohlwollen, das er uns schon von der frühesten Zeit schenkte, war er aufmunternd und anregend, sowie durch seinen hellen Verstand, seine fast nie unterbrochene Heiterkeit und seine beständige Richtung auf eine innere oder äußere nützliche Thätigkeit unterhaltend und belehrend für uns. Über mehrere wichtige Punkte des Lebens und der Gesellschaft führte er uns früh auf die richtigen, damals noch bei weitem nicht allgemein geteilten Ansichten". Über Meier Eger vermag ich nur einige Worte meines Vaters (Jüd. Zeitschr. f. Miss. u. Leben V, S. 2 fg.) zu wiederholen: „M. Eger zieht unser Interesse auf sich als ein Mann, welcher der ersten Zeit der durch Mendelssohn angeregten Bewegung angehörte, sowie dadurch daß er in enger Beziehung zu den tonangebenden Männern der neueren Richtung gestanden. Ihn rühmt Bensev als seinen besonderen Gönner und Förderer für die neue Ausgabe des philosophischen Werkes Saadia's nebst Commentar, er stand mit David Friedländer in regem brieflichen Berkehr, der zwar die Geschäftsverbindung zur Grundlage hatte, aber sich zugleich über alle Fragen der Wissenschaft erstreckte. Er mußte sich jedoch in seinem festen Halten an hergebrachten Meinungen viel von dem kaustischen Witze seines Correspondenten gefallen lassen". Die Autographen der nachfolgenden Briese Friedländers an Meier Eger in Glogau befinden sich in meinem Besitze. Sie stammen aus dem Nachlasse meines Vaters. Dorthin sind sie gelangt durch einen Herrn Ring, Bruder eines Hauslehrers im Egerschen Hause. Im Ganzen sind es 14 Briefe. Die 7 ersten von 1779—1789 bieten nichts oder wenig der Erwähnung Werthes; auch der 14. ist als unwichtig ausgelassen. Die übrigen sind bis auf ganz wenige Stellen wörtlich mitgetheilt. In den Anmerkungen habe ich mich aus das Allernöthigste beschränkt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.