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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 256

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Ein Brief Moses Mendessohns und sechs Briefe David Friedländers
Date
1887-01-01
Page
Seite 256 (sequence 4)
Language
German
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256 Ludwig Geiger, Ein Brief Moses Mendelssohns «. Briefe David Friedländers (1789—179V). David Friedländer, der begabteste und talentvollste Schüler Moses Mendelssohns ist in neuerer Zeit mehrfach behandelt worden. (Vgl. meinen Artikel in der Allg. d. Biogr. VII, 393—399 und die dort angeführte Literatur; Graetz hat ihn nach seiner Art mißhandelt und höchst unwürdig dargestellt). Friedländer ist ein rücksichtsloser Vertreter der Aufklärung, dessen Bemühen dahingeht, die Juden die deutsche Cultur zu lehren und, zum Entgelt dafür, ihnen in seinem Heimatlande Preußen Aufnahme in den Bürgerverband und Gleichstellung mit den Christen zu verschaffen. Für diesen letztern Versuch sind ganz besonders wichtig die von Friedländer herausgegebenen „Aktenstücke, die Reform der Jüdischen Colonien in den Preußischen Staaten betreffend" (Berlin 1793), welche die langjährigen Verhandlungen zwischen den Vertretern der Juden und der Regierung anschaulich schildern und den allmählichen langsamen Fortgang zu Gunsten der Bittenden constatiren. (Vgl. meine „Geschichte der Juden in Berlin", 1871, I, 135—141, II, 161—171). Diese Aktenstücke sind zumeist von Friedländer geschrieben und zeigen seine bis ins Einzelnste gehende Kenntniß der Verhältnisse, seine praktische Gewandtheit, seine Maßhaltung im Fordern, seine unermüdliche Energie, die sich auch durch Mißerfolge nicht schwächen und von dem einmal ins Auge gefaßten Ziele nicht abbringen läßt, seine Uneigennützigkeit und sein nur der Gesammtheit, nicht einzelnen Bevorrechteten oder gar Familienangehörigen gewidmetes Streben. Friedländers aufklärerisches Wirken den Juden gegenüber findet in den nachfolgenden Briefen den bezeichnendsten Ausdruck: er ist vor Allem bemüht, die Meinung der Juden, sie seien etwas Besonderes, zu vernichten, und theilweise wider den Willen derer, für welche er arbeitet, ihre Einfügung in den allgemeinen Culturverband durchzusetzen. Er wird seinem Gegner gegenüber höhnisch, derb, er gebraucht eine köstliche Ironie, wenn er z. B. dessen gotteslästerliche Darstellung der Feuersbrunst in Glogau zergliedert, oder sein Streben, einem Verwandten eine halb jüdische halb deutsche Erziehung zu geben, lächerlich macht. Nur einmal übernimmt er statt der Rolle des Angreifers, die des Vertheidigers, aber auch da nicht mit zerknirschter Miene eines Demüthigen, sondern mit der stolzen Zuversicht eines siegesgewissen Kämpfers. Es handelt sich um Friedländers eigentümliches, oft verkanntes und nur bei einer genauen Würdigung der damaligen Verhältnisse und Ansprüche der gebildeten, namentlich Berliner Juden begreifliches „Sendschreiben einiger jüdischer Hausväter an den Propst Teller (Berlin 1793). Der Adressat ist einer der Führer der damaligen Berliner Aufklärung, er war mit Friedländer persönlich gut bekannt, das an ihn gerichtete Schreiben trug keinen Autornamen. Der Grundgedanke dieses Sendschreibens ist die Darlegung der Anomalie zwischen der tatsächlichen Stellung der Juden und der von ihnen erstrebten und durch ihre Leistungen, sowie durch die Grundsätze der Gerechtigkeit verdienten. Nur eins, so führt Friedländer aus, habe sie sowohl an ihrer völligen Selbstbefreiung, als an der Uebernahme aller staatlichen Pflichten gehindert: ihr Ceremonialgesetz.

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