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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 255

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Ein Brief Moses Mendessohns und sechs Briefe David Friedländers
Date
1887-01-01
Page
Seite 255 (sequence 3)
Language
German
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und sechs Briefe David Friedlällders. sophischen Werkes correspondiren konnten und wollten, war kein Mangel. Aber aus Mendelssohns Leben ist sonst nicht bekannt, daß er mit gekrönten Häuptern Umgang pflog. Nur mit dem Grafen von Schaumburg-Lippe unterhielt er Verkehr und -Briefwechsel (vgl. Kayserling S. 240 ff. und Mendelssohns Werke V, S. 443—445). Aber die an der letzterwähnten Stelle abgedruckten Briese zeigen, daß Mendelssohns die jenem gebührende Titulatur: „Graf" sehr wohl kannte und er, der so genau in solchen Aeußerlichkeiten war, würde sie nicht so schwerverletzt haben. An den Erbprinzen von Braunschweig zu denken, auf den die Titulatur gleichfalls nicht ganz passen würde, verbietet wol der Umstand, daß der Prinz 1769 mit Mendelssohn in eine Correspondenz über den „Phaedon" treten will (Kayserling S. 218 sg. und die dort angeführten Stellen), also nicht gut 1767 bereits einen solchen Briefwechsel begonnen haben kann. — Der Brief bezieht sich auf Mendelssohns „Phaedon", dessen erste Ausgabe 1767 erschienen war; die zweite Ausgabe erschien im folgenden Jahre (1768) und ist dann ziemlich unverändert in den späteren Drucken wiederholt worden. Die erste Stelle, aus der ersten Ausgabe des Phaedon, auf welche in unserm Briefe angespielt wird, findet sich S. 11 in der Schilderung des Charakters des Sccrates und lautet: „So mächtig wirkte in ihm die Liebe zur Tugend und Rechtschaffenheit, und die Unverletzlichst der Pflichten gegen den Schopfer und Erhalter der Dinge, den er durch das reine (so, nicht „reinste" steht in der Org.-Ausg.) Licht der Vernunft auf die lebendigste Art erkannte". Statt des letzten Satztheils wurde in der zweiten Ausgabe gesetzt: „den er durch das unverfälschte Licht der Vernunft auf eine lebendige Art erkannte". Die Stelle S. 81, 82 ist eine Rede des Socrates nach dem Weggange seiner Frau und nach der Befreiung seines Beines von der Fessel. Sie lautet: „O meine Freunde I welch ein seltsames Ding scheint das zu seyn, was man Vergnügen nennt I wie wunderbar! aber dem ersten Anblicke nach ist es den Schmerzen entgegengesetzt, indem kein Mensch zu gleicher Zeit aus einer Sache Schmerz und Vergnügen schöpfen kann; und dennoch kann niemand eine von diesen Empfindungen haben, ohne unmittelbar darauf die entgegengesetzte zu fühlen, als wenn sie an beiden Enden an einander befestigt wären". Er erzählt dann eine kurze Fabel, die Aesopus „hätte er dieses bemerkt", gedichtet hätte. Statt dessen heißt es in der zweiten Ausgabe: „Welch ein seltsames Ding scheint das zu sein, was die Menschen angenehm nennen! wie wunderbar! Dem ersten Anblicke nach ist es dem Unangenehmen entgegengesetzt, indem keine Sache zu gleicher Zeit dem Menschen angenehm und unangenehm sein kann, und dennoch kann niemand eine von diesen Empfindungen durch die Sinne ertragen". (Von da an lautet die Stelle wörtlich ebenso). Endlich lautet die Stelle S. 241: „Indessen ist es genug für unsere Ungewißheit, daß ein völliger Mangel des Bewußtseyns der Natur eines Geistes widerspricht". Die beabsichtigte Änderung gibt Mendelssohn selbst an; in unseren Texten steht freilich „des klaren Bewußtseins" statt „alles", wie Vi. zu setzen gedachte.

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