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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 245

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
Date
1887-01-01
Page
Seite 245 (sequence 16)
Language
German
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vr. I. Kracauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. 245 ein und derselben Sache seine Ansicht zu ändernd) So erhielt Hinsperg überall, wo er für die Juden wirken wollte, den Bescheid: „Würde er etliche 1000 Gulden daran wenden, dann wäre man bereit, Fleiß daran zu kehren, aber um 200 Gulden verlohne es sich nicht, sich die Feindschaft eines Fürsten zuzuziehen." Und doch hatte ein zweiter Abgesandter der Frankfurter Gemeinde Hinsperg in deren Namen erklärt, sie würden auf keinen Fall mehr als 200 Gulden ausgeben: das kaiserliche Mandat betreffe auch die anderen Gemeinden; diese würden auch noch an die Reihe kommen, und für sie wollten sich die Frankfurter nicht aufopfern." 2) Somit war, wie sich Hinsperg bezeichnend ausdrückt, „der Handel der Juden sehr vergremt." ^) Der Frankfurter Rat hielt einen glücklichen Ausgang für unmöglich; er glaubte genug für seine Juden gethan, sich genug für sie in den Augen des Kaisers und der Fürsten kompromittiert zu haben. Er schreibt daher Hinsperg, er solle die Sache jetzt auf sich beruhen lassen. ^) Aber dieser verlor noch nicht den Mut und hoffte noch immer auf eine glückliche Wendung der Dinge. Diese erfolgte auch wirklich von einer Seite, von der es niemand geahnt hätte. Eine neue Persönlichkeit tritt auf den Schauplatz und führt in dem so lange währenden Streite die Entscheidung herbei. Es war dies Herzog Erich I. von Braunschweig.5) Kein deutscher Fürst war dem Kaiser so lieb und wert, als Erich. Maximilian hatte ihn aus der Taufe gehoben; seit seinem zwanzigsten Lebensjahre kämpfte Erich mit unerschütterlicher Anhänglichkeit an den Kaiser für die Habsburgischen Interessen. Im bairischen Erbfolgekriege, in der Schlacht bei Regensburg (1504), hatte der Herzog den Kaiser mit eigener Lebensgefahr gerettet. Damals beteuerte letzterer dem Schwerverwnndeten, „er wolle ihm Vater und Sohn sein". Drei Jahre später kämpfte Erich als kaiserlicher Feldhauptmann nicht ohne Ruhm gegen Venedig; bald darauf berief ihn der Kaiser zur Sicherung seiner bedrohten Herrschaft nach den Niederlanden. Noch näher verbunden wurde er mit dem Kaiserhause durch seine Vermählung mit Katharina, Witwe des 1496 verstorbenen Erzherzogs Sigismund von Throl. Da der kostspielige Haushalt seiner prunkliebenden Gemahlin viele Summen verschlang, und er noch obendrein in Maximilians Diensten sich eine bedeutende Schuldenlast aufgebürdet hatte — denn seine Auslagen für die Aufbringung und Bezahlung t) of. Hinspergs Brief am 26. IV Reichstagakt. lol. 61. 2) S. Reichstags, kol. 86: so vermeint ^nen^Z anvd äie ^rkf.^j ^näen alle die, vit 6sr massen Zelt VS21 2NKeden; 6er danllel 6er dneder Kälber 6reKe anod Zie jnäen nit »Hein 211 Pranokknrt an; solten sie äan (las U82 teodten vK eren kosten, sivt sie iiit Zeinenit in kein v^eZen; es inoedt auod mit (ler esit korneden, (laL2 die krerneäen jnäen er dneder allso verloren Multen Kaden ete. 2) Reichstags. kol. 86. 4) LrZind. a. a. O. anno 1510: keria tertia post voeern jnennä. (7. V.): ^.ls der (Zarlen von Lin82dsrAlc sedridt von ^.ugspurZK <ler «Inällen dneder dalder — uL? im (— sich) seldst rüden laisssen. 5) Er war der Sohn Heinrichs und stammte in direkter Linie von Magnus II. Torquatus ab. Bei der Erb Leitung mit feinem Bruder Heinrich dem Alteren erhielt er das Land zwischen Deister und Leine, das von nun an Calenberg genannt wurde, und Oberwald „das Land worin Göttingen". Siehe hierüber und über das folgende: Wachsmuth niedersächsische Geschichte, S. 22 ff.

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