Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 13)
- Language
- German
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242 Dr. I- Kracauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. Die Verhandlungen dieses Tages endeten mit dem Beschlüsse, daß die Juden von allen verdächtigen Büchern je zwei ins (neue oder Martha-) Spital bringen sollten, damit Pfefferkorn Einsicht in sie nehme. Diesem Beschlüsse kamen die Juden nach. Mittwoch den 10. April um 8 Uhr früh wurden die Verhandlungen fortgesetzt. Pfefferkorn beschwerte sich, daß die Juden ihm einige Bücher vorenthalten hätten. ^) Er bestimmte, daß sie ihm jetzt alle Bücher zu geben hätten mit Ausnahme derjenigen, deren Besitz er ihnen ausdrücklich gestatten würde. Die Juden erklärten hieraus, sie wollten zwar das Verzeichnis der ihnen gestatteten Bücher entgegennehmen, aber aus seine Forderung erst am Nachmittag Bescheid geben. Um 1 Uhr fand die Schlußverhandlung statt. Noch einen letzten Versuch machten die Juden zur Rettung ihrer Bücher. Noch einmal hob ihr Anwalt Huselin hervor, wie fern ihnen der Gedanke läge, sich gegen den Kaiser oder den Erzbischof aufzulehnen. Hätten sie doch, wozu sie das Mandat gar nicht verpflichte, gestern Pfefferkorn eine Menge Bücher abgeliefert. Um noch weiter ihre Willfährigkeit zu zeigen, gelobten sie dem Rate, die übrigen Bücher nicht zu verkaufen „bis zur Erkenntnis, ob sie tauglich oder untauglich seien". Wolle ihnen aber der Rat keinen Schutz gegen die Kommissarien gewähren, so bleibe ihnen nichts anderes übrig, als das letzte Mittel zu ergreisen und an den Kaiser oder an den allerheiligsten Vater, den Papst, oder an das Kammergericht zu appellieren, weil Pfefferkorn seine Befugnisse überschritten und die ihnen von Kaisern und Päpsten bewilligten Privilegien verletzt habe. Die kühne Sprache der Juden machte auf die Ratsdeputierten Eindruck. Sie erklärten sich bereit, das Gesuch der Juden dem Rate am nächsten Tage zu unterbreiten. Der folgende Donnerstag entschied endlich das Schicksal der Bücher. Der Entschluß fiel dem Rate nicht leicht. Aus der einen Seite drängten Ortlieb und Pfefferkorn, auf ihr Mandat pochendauf der anderen Seite fiel das Interesse der Juden mit dem der Stadt zusammen. Auch deren Weigerung, die Bücher Pfefferkorn herauszugeben, und die Drohung, den Schutz des Kaisers oder selbst des Papstes anzuflehen, setzte ihn in keine geringe Verlegenheit. Er ließ deshalb bei vi-. Adam anfragen, was in diesem Falle die Ratsfreunde zu thun gedächten. ^) Aber die Furcht, durch 1) So die iniros — Lewirotn? Die Juden behielten diese zurück, „da dasselde dnon 6er Kinder aniang sv vnd nit 2u diesem Kandel dienlich. (Uenioriale.) 2) S. LrZind. kol. 123^ (Huinta post yuasi ^nwdogeniti^): ^.Is doetor Lerinan Ortlied suddelegerter eoininissaris 6er ^'udden duoner dalder gehandelt nait, die ducner so angeseit sin ^Geiger, Archiv S. 215 Anmerk. liest unrichtig: ein und interpretiert die Stelle unrichtig) dv die vorige dueder leZen laisze init der protestation sien lute der kev. eominission 2u Zeledsn. Alles dieses ist der Antrag Ortliebs. 3) LrZind. kol. 125: die irunde sied dv dootor ^.dam 2u erkunden, ^ves2 ine deduneks gut getnan sin, ^vo die «sudden sied die dueder 211 dinderlegen sperren oder ader appeleren wurden, ^ves2 6en ratskrunden 2u nandeln gepnrlien sin ^olle. Die vorhergehende Stelle im Lrgind. (von Geiger S. 215 nicht richtig aufgefaßt): ^1s die ^udisodeit vor den ratsfrunden sien ire duener?eösrkorvs anzeigen ninderlsZen nit ^viUiZ sin vnd evn dedenekens Ze-