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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 237

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
Date
1887-01-01
Page
Seite 237 (sequence 8)
Language
German
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vr. I. Kracauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. 237 besonders an die Mitglieder des Augsburger Reichstages gerichtet ist, um sie vor den „ungetreuen Christen zu warnen, die durch die Juden bestochen gegen sein löbliches Vornehmen falsche und geblümbte Worte vorbringen". Wie nun Pfefferkorn in seinen zahlreichen Schriften sich stets wiederholt, dieselben Thatsachen immer von neuem vorbringt und mit ermüdender Weitschweifigkeit dieselben Anklagen und Beschuldigungen fortwährend gegen seine Gegner schleudert, so finden wir auch im „Sendbrief" nur weniges, was uns nicht schon durch „w lod vuä eer" bekannt wäre. Am Eingang des Briefes giebt er kurz, dabei in ungenauer Weise, den Inhalt der kaiserlichen Mandate wieder. Wie schon früher, hebt er die Milde des Kaisers hervor. Darauf spricht er von dem Erfolge seiner Thätigkeit an verschiedenen Orten (Frankfurt, Worms, Mainz, Bingen, Lorch, Lahnstein, Deutz); von seiner Uneigennützigkeit, da er der Juden Geld und Geschenke mit Verachtung zurückgewiesen habe. So wäre denselben nichts übrig geblieben, als durch Verleumdungen seinen Ruf und seine Ehre zu schädigen. Andere Christen hätten freilich der Versuchung nicht widerstehen können; durch Geld bestochen, beschönigen sie der Juden Fehler und agitieren eifrig für die Zurückgabe der Bücher. Vor solchen Christen warne er dringend alle Gläubigen. Denn sie seien nicht nur Feinde Gottes, dessen Strafe sie auch später unfehlbar treffen würde, sondern auch Widersacher des Kaisers, indem sie ihn von der Erfüllung seiner Pflicht abzuhalten suchten. Mithin ermahne er einen jeden frommen Christen, ihn in seinem Werke so lange zu unterstützen, bis er es zu einem ersprießlichen Ende geführt hätte. Der Brief endet mit den erbaulichen, in deutscher und hebräischer Schrift abgedruckten Versen: „Ness^as 13t lavZ Zsdorsn, OaL ^viltäü jud nit flanken, Lxott 2um sokaäeQ mustu Kaden." Dieser Sendbrief fand als Flugblatt eine sehr rasche Verbreitung^) und blieb, wie wir später sehen werden, nicht ohne Einfluß auf den Reichstag. Auf den Frankfurter Rat dagegen machten Pfefferkorns Tendenzschristen keinen Eindruck. Im Gegenteil, er beschloß am 12. März die Bücherangelegenheit zum endlichen Abschluß zu bringen. Seine Juden wies er zugleich an, sich mit Carl v. Hinsperg ins Einvernehmen zu setzen. 2) Dieser war nämlich zum Nachfolger Jacob Hellers bestimmt worden. Seine Wahl konnten die Juden nur mit großer Befriedigung aufnehmen. Er galt als ihr eifriger Freund; ja man bezichtigte ihn geradezu, daß er die angesehensten der 1498 aus Nürnberg vertriebenen Juden förmlich 1) S. Löekivg 8appl. II. S. 73 oben. 2) LrZr^d. kol. 114^ (tertia post I^etare): Item äsr «snäden Kandel irsr dnoker kaldsr tertiZeri (— beschleunigen) voä 6en «Inääsn dekelon, mit ^okanri krosoken Server 211 i-eäev. Derselbe sollte eigentlich Jacob Heller ersetzen, lehnte es aber aus Gesundheitsrücksichten ab. So sandte der Rat den bisherigen Bürgermeister Karl v. Hinsperg nach Augsburg. — Jacob Heller kehrte am 23. März nach Frankfurt zurück (Li-Aind. 115). Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutscht. 16

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