Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2259275-2259313-2259317-2263302--0263-2263364- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
236 vr. I. Kracauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. alle die Gründe, welche Billigkeit und Humanität zu gunsten der Juden anführen konnten, zu widerlegen. Man sage, bemerkt er, da die Juden bei uns geduldet sind, so solle man ihnen die Bücher.lassen; „mit den Haaren könne man sie doch nicht zum Himmel ziehen". Überdies hätten die Juden überall im Reich „für Leib und Gut Geleit", nähme man ihnen nun die Bücher, so bräche man ihnen dasselbe. In durchaus sophistischer Weise sucht Pfefferkorn diesen Einwurf, dessen unbestreitbare Richtigkeit er wohl fühlte, zu widerlegen. Der Kaiser verfahre ja nicht aus Neid, sondern aus angeborener Tugend, göttlicher Gerechtigkeit und gütigem Mitleid gegen die armen, unverständigen Juden. Somit geschehe ihnen keine Gewalt. Im Gegenteil zeige er eine nicht genug anzuerkennende Mäßigung gegen sie. Denn obgleich ihm das Recht zustände, ihre Schriften ohne vorhergegangene Untersuchung einfach wegzunehmen und ihre Besitzer aus Deutschland zu verjagen, wolle er die Bücher durch weise, wohlgelehrte und dazu noch der hebräischen Sprache kundige Männer besichtigen lassen. Daß aber gerade ihn, obgleich er weder heilig, noch Prophet sei, Gott zu dieser Mission ausersehen habe, möge niemanden befremden. Gott wähle ja oft zu seinem Zwecke auch unwürdige Werkzeuge. Sehe man sich aber diejenigen, die gegen ihn Mißtrauen zu säen suchten, genauer an, so seien es entweder Neuchristen, die noch im Herzen am Judentum festhielten, und die man daran erkenne, daß sie auch dieses Büchlein für erlogen erklären würden, oder sie seien durch Geschenke der Juden bestochen, oder wenn dies nicht der Fall sei, so habe sie doch der Umgang mit denselben verderben und zu heimlicher Ketzerei verleitet, oder endlich, sie seien ungütigen Herzens und setzten bei jedem Unternehmen schlimme Absichten voraus. Bei dieser Schrift ließ es Pfefferkorn jedoch nicht bewenden. Er wußte aus eigener Erfahrung, wie mächtig das Geld der Frankfurter Abgesandten am kaiserlichen Hofe zu Verona gewirkt und beinahe alle seine Anstrengungen zu nichte gemacht hatte. Es war ihm nun zu Ohren gekommen, daß die Juden wiederum Deputierte zum Kaiser nach Augsburg gesandt hatten. Mußte er da nicht besorgen, daß diese einflußreiche Persönlichkeiten durch Bestechung für ihre Absichten gewinnen würden? Deshalb verfaßte er kurz nach der eben besprochenen Schrift und im Anschluß an dieselbe sein „Ausschreiben an alle Geistliche und Weltliche"/) das aber ^SZVN (!) eappri8Vn ('), noed anen von cles 8N886N NONIA, äer äo neist IN030 Xvtvaseli (!) noed aneti von der weissen miled, äis äo nsist Kolon" (!)... nit trinken. Kurz vorher findet sich die sinnlose Stelle: „leb 8o1 anek in äsn pai-adv82 nit mit krsudsn es8en von äern oeu86n 8enor Kader (!) vnci äen visek Isuiatnan."!) Über dasselbe s. LöokinZ Zupxl. II, 73. Zuerst hat die Handschrist unvollständig und fehlerhaft veröffentlicht Graetz in seiner Geschichte IX S. 13—15; dann LöekivZ 1. e. Trotz seines sorgfältigen Abdruckes finden sich doch noch einige Fehler vor, auch wenn wir von orthographischen Inkorrektheiten absehen wollen. So ist zu lesen: Zeile 9 (S. 73) von oben üruk statt tunk; Zeile 20 (S. 73) von unten 2^oneii statt 2>veien; Zeile 9 unten KZraelter statt v'ZmsIter; Zeile 7 unten detruZIienen statt de^eZIieuen; Zeile 5 unten innen statt ^'enen; S. 74 Zeile 15 oben 2n tun, Zepni-t statt?u unn^epuer; S. 74 Zeile 19 oben adxoZen statt ad- A020A6N.