Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2259275-2259313-2259317-2263302--0258-2263359- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
vi-. I. Kracauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a.M. 231 in wieviel Exemplaren die von Pfefferkorn beanstandeten Werke vorhanden wären. Darauf hin erfolgte ihre Konfiskation. Von Worms aus begab sich Pfefferkorn rheinabwärts nach Mainz, von da nach Bingen, Lorch, Lahnstein und Deutz und verfuhr auch in diesen Städten in gleicher Weise wie in Worms. Warum er nicht nach Frankfurt, in dessen Nähe er sich doch befand, kam, um sein daselbst begonnenes Werk zu vollenden, wissen wir nicht. Jedenfalls fürchtete er den Eindruck, den das vom Grafen von Gutenstein gegen ihn ausgestellte Zeugnis auf alle Unbefangenen ausüben mußte. Aus seinen Schriften erfahren wir, wie sehr die Frankfurter Juden dasselbe gegen ihn ausbeuteten. In einem Brief an den Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt, der in dieser Zeit geschrieben sein Muß^, beklagt er sich bitter darüber, daß die Frankfurter Juden überall eine Schrift gegen ihn verbreiteten, die ihn einer „dosten, vntuMedeu inlssäat" in Dachau bezichtige?), als er noch Jude gewesen sei. Er fürchte, daß er durch solche Beschuldigungen „seM ^un8t vnä Aellmxk" verlierend) werde und bittet daher den Rat, in Dachau Erkundigungen über sein Leben daselbst einzuziehen. Kurz darauf erhielt auch Pfefferkorn vom Rat dieser Stadt ein Leumundszeugnis, welches die Behauptungen der Juden, daß er 1) Josef Fleischhauer genannt worden und Fleischhauer in Dachau gewesen sei; 2) daß er bei einem öffentlichen Diebstahl ergriffen worden sei; 3) daß er viel Schulden gemacht habe; 4) daß er nicht mehr nach Dachau kommen dürfe, als durchaus falsch hinstellt und seine Ladellose Lebensführung in dieser Stadt hervorhebt. Dieses Zeugnis rehabilitierte ihn wieder in den Augen des Publikums, das zwischen Tachau und Dachau nicht unterschied.^) Da sich in dieser Zeit weder Pfefferkorn, noch Hermann Ortlieb, noch sonst ein Mitglied der vom Kaiser bestimmten Kommission in Frankfurt blicken ließen, weshalb auch der Rat nichts gegen die Juden vornahm/) gaben diese ihre Sache noch nicht völlig verloren. Zunächst versuchten sie, Pfefferkorn — dieser kommt hierauf öfters in seinen Schriften zurück, und die Wahrscheinlichkeit spricht auch für seine Behauptung — durch Bitten und Geschenke für sie milder zu stimmen oder ganz auf ihre Seite zu bringen. Dies mißglückte ihnen freilich. ^) Sodann wandten sie sich an den Rat und baten denselben, für sie beim Kaiser intervenieren zu wollen.^) Sie Das Orig. im Franks. Arch. y Man beachte wohl, Pfefferkorn schreibt „Dachau" nicht „Tachau". Aus welchem Grunde, werden wir gleich erfahren. 2) Daß seine Befürchtung begründet war, zeigt die Thatsache, daß der Rat es ablehnte, diesen Brief zu lesen. Auf der Rückseite seines Briefes hat der Ratsschreiber bemerkt: „Pfefferkorns Schrift ist nicht gelesen worden." 4) Erhalten ist uns diese Urkunde im Ltrevätx. ka. Ausgestellt ist sie montags nach saut Ls^asti» vud?adiauustsZK (21. Januar). 5) LrZin. K>I. 87a: Er beschloß zu warten, bis Pfefferkorn wieder nach Frankfurt käme. 6) So in ästensio; auch im „Sendschreiben". H ok. Lrgra. kol. 92». Liss neust äonrstaZ äer ^nääen sekrM vuä saenen in Äern rate verlesen.