Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Juden am Bodensee und in seiner Umgebung
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 11)
- Language
- German
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226 Moritz Stern, Beiträge zur Geschichte der Juden steht. Daß aber trotzdem auch in Ueberlingen die Quittung abgegeben wurde, geht aus der Bezahlung hervor, die Johannes Kirchheim von dort empfingt). Es find: „211 Ilderliv^en tur äie kald stur uuä oxxerxkeuiiiA S. 6.^ Auch aus dem Jahre 1402 ist uns eine ähnliche Nachricht erhalten. Am 18. Dezember befahl Kg. Ruprecht zwölf Städten, darunter Ueberlingen, die halbe Judensteuer vom nächstvergangenen Jahre an Johann Kirchheim zu zahlen^). Zum Jahre 1415 erwähnt eine ungefähr 20 Jahre später niedergeschriebene Nachricht eine Schätzung der Ueberlinger Juden durch die Stadt. Kg. Sigmund, der für die Erm'öglichung des Konstanzer Concils viel Geld nötig hatte, ließ sich von dem den Ueberlinger Juden abgenommenen Gelde 4000 Gulden als Beuteanteil auszahlen^). Wieder versiegen uns die Nachrichten über Ueberlinger Juden für die nächsten 15 Jahre. Aber dann treten sie uns in einer Fülle entgegen, die der Wichtigkeit der durch sie bezeugten Thatsachen entspricht. Eine Verbrennung und dauernde Verbannung aus der Stadt — der Schluß eines über zwei Jahrhunderte währenden, nur kurz unterbrochenen Ausenthaltes. Die über die Ueberlinger Juden hereinbrechende Katastrophe nimmt in Ravensburg ihren Ausgang und steht mit den gleichzeitigen Vorgängen in fast allen Bodenseestädten im engen Zusammenhang. Da an anderer Stelle^) diese Ravensburger Blutbeschuldigung und ihre Folgen ausführlich behandelt werden sollen, so beschränke ich mich hier darauf, die Ueberlinger Ereignisse hervorzuheben. In Folge der in Ravensburg 1429 erhobenen Anklage, daß Juden, die daselbst aus Anlaß einer Hochzeit aus den umliegenden Städten zusammengekommen waren, einen Knaben ums Leben gebracht hätten, wurden auch in Ueberlingen die dortigen Juden am Weihnachtsabend gefangen genommen. Zur Untersuchung der Angelegenheit bestellte Kaiser Siegmund ") A. a. O., Nr. 174 II. Den „vei-äi^en" Opferpfennig zahlte Ueberlingen und seine Juden ebenso wenig, wie es die andern Städte und Juden thaten. Nur Eßlingen und Weil waren dem königlichen Befehle im vollen Umfange nachgekommen. Die andern erklärten: „Li netten uuLers deren yuittaneien <Zes kuvAS kur alle Laen". — Sehr wichtig ist diese Nummer der deutschen Reichstagsakten dadurch, daß im dritten Teile derselben ein Verzeichnis von Städten gegeben ist, in denen Juden 1401 nicht wohnten, an die man aber, da man Juden dort vermutete, die Aufforderung zur Bezahlung der halben Judeusteuer und des goldenen Opferpfennigs hatte ergehen lassen. Es sind: Biberach, Kempten. Kaufbeuren, Leutkirch, Pfullendorf, Wangen, Jsny, Buchhorn, Wyl im Thurgau, Buchau, Reutlingen, Rottweil, Gmünd, Wimpfen, Donkelsbühl, Weinsberg, Aalen, Giengen. Dagegen wohnten 1401 Juden in: Ulm, Augsburg, Konstanz, Ueberlingen, Memmingen, Ravenspurg, Lindau, St. Gallen, Eßlingen, Weil, Heilbronn, Nördlingen, Hall, Bopfingen, Schweinfurt und Rotenburg. Es folgt auch daraus der wichtige Grundsatz, daß die Aufforderung zur Bezahlung des Opferpfennigs und der Judeusteuer allein kein genügender Beweis dafür ist, daß in der Stadt, an welche diese Aufforderung ergina, Juden that sächlich wohnten. Es bedarf, um das Vorhandensein von Juden dann festzustellen, erst noch einer zweiten Nachricht. Chmel, Reg. Ruperti Nr. 1368. Konstanzer Chronik bei Mone, Quellensammlung I, S. 302. ^) Siehe den zweiten Aussatz dieser Beiträge: „Die Juden in Ravensburg".