Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Juden am Bodensee und in seiner Umgebung
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 10)
- Language
- German
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am Bodensee und in seiner Umgebung. 225 Nur scheinbar widerspricht dem eine Urkunde Kg. Wenzels, durch welche dieser der Stadt Uberlingen am 31. Mai 1377 unter anderm die fällige Judensteuer schenkte^). Hiernach hätten bereits 1377 Juden in Ueberlingen gewohnt, während aus der Urkunde des Pfalzgrafen hervorgeht, daß erst 1378 sich wieder Juden daselbst niedergelassen haben. Der Widerspruch löst sich, wenn man erwägt, daß Kg. Wenzel damals nur die Urkunden seines Vaters v. 9. und 27. Jan. 1348 erneuerte. Der Wortlaut ist ferner in den 1348 an 21 und 1377 an 18 Städte ausgestellten Urkunden überall derselbe, sodaß man keineswegs daraus schließen darf, daß in allen diesen Städten damals auch Juden ansässig waren. Von der bekannten Judenschuldentilgung des Jahres 1385 unter Kg. Wenzel wurden auch die Juden in Ueberlingen betroffen. Besondere Nachrichten für diese Stadt sind uns jedoch hierüber nicht erhalten^). Nur hin und wieder erfahren wir in der Folgezeit etwas von Ueberlinger Juden. Der Jude Vhfelman aus Ueberlingen findet 1388 in Ulm Aufnahme ^). Em Ueberlinger Jude Jeklin ward im folgenden Jahrzehnt in Schaffhausen Bürger" Im Jahre 1401 war die Anzahl der in Ueberlingen ansässigen Juden nur eine sehr geringe. Sie zahlten in jenem Jahre im ganzen für die halbe Steuer und den Opferpfennig sechs Gulden. Am 1. Sept. 1401 hatte nämlich Kg. Ruprecht 33 Städten in Schwaben und am Bodensee, unter ihnen auch Ueberlingen, befohlen, die halbe Judensteuer und den goldnen Opferpfennig, die am nächsten Michaelistag (29. Sept.) fällig waren, dem Pfalzgrafen Ludwig, seinem Sohne, auszuzahlen^-). In der Urkunde, die am 19. December 1401 Pfalzgraf Ludwig im Namen seines königlichen Vaters ausstellte^), mit der Aufforderung, die halbe Judensteuer und den goldnen Opferpfennig an den Hofschreiber Johannes Kirchheim zu zahlen, fehlt allerdings der Name Ueberlingen, an dessen Stelle Rotenburg Deutsche Reichstagsakten I, Nr. 106. Unrichtiges Regeft bei Wiener, Reg. V 144, Nr. 295. so) Die von Löwenstein, a. a. O., S. 13 erwähnte Chronik ist nichts anderes als Kutzle. Auch hat sie nur allgemein auf das Reich Bezug. Die betreffende Stelle bei Kutzle, p. 141 lautet: ^nno 1391 xidt König ^enseslaus allen Stätten im reien erlandnus, das die «Inden allen edellentn inre drieü', xiandt und naudtZüets!' ^viderZeden sollen nnd Zieselben senadens lediZ sein, damit sie Inrer klajestät desto besser dienen knonen, auen vt-as die dni-ger sennldiZ Ovaren, das solle inan nalo ialiren lassen und Zvnsin sonaden von innen neininen, als in den reiensstätten. 4v) Verbdlg. d. Ver. f. Kunst u. Altertum in Ulm u. Oberschwaben. Neue Reihe, Heft III (1871), 38. Bereits von Wiener, Recension, a. a. O., S. 140, jedoch mit falscher Seitenzahl, bemerkt. In Beilage II, Nr. 1 heißt ein Jude Viferlin. ") Härder, Ansiedelung, Leben und Schicksale der Juden in Schaffhausen, in den Beiträgen zur vaterl. Gesch. hrsg. v. hist. antiq. Ver. d. Kant. Schafshausen, Heft I (1863), 43. Hieraus bei Kayserling: „Die Juden in Schaffhausen" in Frankels Monatsschrift 1865, und bei Löwenstein, der ebenso wie Wiener den Aufsatz Kayserlings völlig übersehen hat. ^) Chmel, Reg. Ruperti Nr. 911. Deutsche Reichstagsakten V (1885), S. 226 Anm. 2. ") Deutsche Reichstagsakten V, Nr. 174 I.