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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 219

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Beiträge zur Geschichte der Juden am Bodensee und in seiner Umgebung
Date
1887-01-01
Page
Seite 219 (sequence 4)
Language
German
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am Bodensee und in seiner Umgebung. 219 kleine Revolution. Während der Rat noch beratschlagt, bricht der Sturm los. Die Synagoge, in welche sich die Juden vor dem drohenden Ungewitter geflüchtet haben, geht in Flammen aus und begräbt unter ihren rauchenden Trümmern den größten Teil der blühenden Gemeinde. Nach Vitoduran fanden über 30V Juden ihren Tod, spätere geben 350 und 400 an. Es muß demnach in Ueberlingen eine sehr große, jüdische Gemeinde gewesen sein; denn wenn auch gerade damals viele auswärtige Juden sich in Ueberlingen aufgehalten haben ^), so war bei einer Gesammtbevölkerung von ungefähr 4000—5000 Seelen^) die Anzahl der dort ansässigen Juden immerhin überaus ansehnlich. Das bisher für den Tag der Ermordung des Knaben angenommene Datum des 1. März kann bei der Verschiedenheit der chronologischen Angaben unserer Quellen nicht mehr als sicher gelten. Wir können nur sagen, daß das Verschwinden des Knaben, wie die einige Tage später erfolgte Verbrennung der Juden in der ersten Hälfte des Monats März 1331 vor sich gingen'v). iy Tschudi, Onrouieon Lelvetieum I, Basel 1734, S. 320: „als dero Zeit vil Juden gen Ueberlingen zusammen kamend". «siehe auch weiter die Urk. von 1334, Aug. 21. 28) So boch wird die Bevölkerungsanzahl Ueberlingens im Mittelalter von Ullersberger geschätzt. Siehe dessen Aufsatz S. 56 in Schriften d. Ber. f. Gesch. d. Bodensees und seiner Umgebung, Heft IX. ^) Von den Chronisten werden verschiedene Tage genannt, die alle in der Zeit vom 1. bis zum 16. März liegen. Die Differenz dieser Angaben beruht darauf, daß der Tag der Ermordung des Knaben und der der Verbrennung der Juden mit einander verwechselt, meistens überhaupt nicht von einander geschieden werden. Eine jüdische, handschriftliche Notiz aus dem 14. bis 15. Jahrhundert nennt als Tag der Verbrennung den 6. Adar scheni (50) 92. der gegen Löwenstein, a. a. O., Anm. 3 bereits von Wiener, Recension, a. a. O., S. 143 mit dem 4. März 1332 identificiert wird. Die sich auf diese Verfolgung beziehende und um 1434 niedergeschriebene Stelle der Konstanzer Chronik bei Mone, Quellensammlung z. bad. Landesgesch. I, 314, nach der ungefähr 350 Juden verbrannt wurden, hat als Tag der Ermordung des Knaben und der Verbrennung der Juden den 6. März 1332; die aus derselben Zeit stammende Konstanzer Fortsetzung des Königshofen dagegen als Tag der Ermordung des Knaben den 1. März 1332. (Die Jahreszahl 1300 im Abdrucke Mones, Badisches Archiv II, 193 und Quellensammlnng I, 302, beruht auf einem Irrtume des Copisten. Die zweite von Mone benutzte Handschrift, sowie eine andere desselben Inhalts in St. Gallen haben das richtige Jahr 1332. Vergleiche G. Tcherer, Ueber das Zeitbuch der Klingenberge in den Mitteilungen zur vaterl. Gesch. hrsg. v. hist. Ver. in St. Gallen I, 90.) Aus der letztgenannten Quelle floß wohl auch das Datum in die um die Mitte des 15. Jahrhunderts angelegte Compilation Züricher Chroniken. (Die beiden ältesten Jahrbücher der Stadt Zürich, hrsa. von Ettmüller in den Mitteilungen der Antiquar. Gesellschaft in Zürich II (1844), S. 65. Die Klinaenberger Chronik, hrsg. v. A. Henne v. Sargans, S. 52. Zur Beurteilung der Abfassungszeit siehe G. Scherer, a. a. O.; G. v. Wvß, Ueber eine Züricher Chronik aus dem fünfzehnten Jahrhundert und ihren Schlachtbericht von Semvach, Zürich 1862.) Den 1. März 1332 hat auch Tschudi (5 1572), Okronieon ttelvstieum, Basel, I (1734), S. 320. Der Ueberlinger Chronist Jakob Reutlinger (Beilage III L), der 1580 zu schreiben begann, giebt uns drei Berichte. Nach dem emen (I, 112) fand die Ermordung des Knaben am 2. März statt. Zugleich setzt der Chronist hinzu, daß die meisten den 12. März angeben. Für die Verbrennung der Juden ist hier kein besonderes Datum genannt. Nach dem zweiten

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