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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 218

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Beiträge zur Geschichte der Juden am Bodensee und in seiner Umgebung
Date
1887-01-01
Page
Seite 218 (sequence 3)
Language
German
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218 Moritz Stern, Beiträge zur Geschichte der Juden Obere Seestraße Nr. 168, eine alte Seitenmauer als Überrest dieser Synagoge gezeigt"). In der Zeit vor 1349 war die Judenschule in einem an das Spital „zum heiligen Geiste" anstoßenden Hause. An dieses schloß sich ein „Höfflin", wohl der Judenschulhof, und ein Gang, der sich bis an den See erstreckte. Die Gasse, in der die Juden wohnten, trug auch hier, wie in so vielen andern Städten, den Namen „Judengasse" Von einzelnen Häusern werden uns in dieser Periode genannt: Des Juden Gotliebs steinernes Haus, des Juden Gumprechts Haus, das des Totengräbers an der Kunkelgasse ^). Auch ländlicher Grundbesitz befand sich in jüdischen Händen, wie dies aus einem später zu besprechenden Zeugnis über den Verkauf eines ihnen gehörenden Weinbergs erhellt. Unter den Nachrichten über das Verhältnis der Ueberlinger Juden zu ihren Mitbürgern fesselt die Blutbeschuldigung des Jahres 1332") mit ihren Folgen besonders unser Interesse. Einen ausführlichen Bericht über den Vorgang hat Johann von Winterthur als Zeitgenosse bald nach der Verbrennung zwischen 1340 und 1343 in Lindau niedergeschrieben^). Spätere Chronisten haben dann teils auf lokale Tradition, teils aus andre Berichte uns unbekannter Verfasser hin die Erzählung Vitodurans erweitert und vervollständigt. Nach diesen Quellen ist bereits anderweitig Ursache und Hergang der Verbrennung dargestellt worden^). Es wird daher genügen, mit wenigen Worten den Bericht über den Vorgang zusammenzufassen. Ein Knabe geht seinen Eltern verloren und wird mehrere Tage darauf tot aufgefunden. Der christliche Wächter des jüdischen Friedhofes wird öffentlich des Mordes bezichtigt; im Austrag der Juden soll er die That verübt haben. Man wirft einige der letzteren auf die Folter, und unter den Qualen der Tortur gestehen sie, was man von ihnen verlangt. Der Tod ist ihre Strafe; der christliche Knecht stirbt durch Selbstmord. Somit scheint der Vorfall erledigt zu sein. Allein die von Habgier erfüllte Menge giebt sich mit dem Tode der wenigen nicht zufrieden. Es entsteht eine ") Löwenstein, a. a. O., S. 5, Anm. 42) Außer der urkundlichen Erwähnung vom Jahre 1351 (Beilage I, Reg. 8) siehe eine solche von 1474 in Atschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins 9, 268. Ueber die bisher erwähnten Oertlichkeiten siehe Beilage I, Reg. 4—8. ") Fast sämmtliche Nachrichten haben das Jahr 1332. Nur Vitoduran, dessen Zeitangaben überhaupt ungenau find, nennt das Jahr 1331. Ihm entnehmen die Jahreszahl die sog. Hüply'sche Chronik (siehe die Klingenberger Chronik, hrsg. v. A. Henne v. Sargans, Gotha 1861, S. 52) und Martin Crusius, Zonales 8ueviei III, Frankfurt 1596, S. 226. Deutsche Uebers. v. Joh. Jak. Moser I, 900. In der neueren Literatur ist die Angabe des Jahres 1331 auf Vitoduran oder auf Crusius zurückzuführen: Pfister, Geschichte von Schwaben, II, 2, 259 berichtet über die Verbrennung irrtümlich zum Jahre 1339 und wieder IZ, 2, Fortsetzung, S. 16 zum Jahre 1311. In Schriften des Ver. f. Gefch. d. Bodensees u. s. Umg. IX, 101 wird die Verbrennung der 300 Juden in das Jahr 1349 verlegt! ib) ^on. Vito<Z. Okrori. e<5. ^788, Einleitung p. XXIII. Der Bericht findet sich dort S. 106 f., in der deutschen Uebersetzung von Freuler, Winterthur 1866, S. 145 ff. ^) Roth v. Schreckenstein, Zur Geschichte der Juden in Ueberlingen, in Ztschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins 24, 259 f. und Löwenstein, a. a. O., S. 3—9.

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