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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 217

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Beiträge zur Geschichte der Juden am Bodensee und in seiner Umgebung
Date
1887-01-01
Page
Seite 217 (sequence 2)
Language
German
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Moritz Stern, Beiträge zur Geschichte der Juden am Bodensee. 217 schwung der Verhältnisse war jedoch Ludwig von Baiern Schuldner der Ueberlinger Juden geworden, und die Stadt Eßlingen hatte sich für ihn verbürgt. Jetzt nunmehr am 24. November 1315 belohnte Ludwig das ihm damals treue Eßlingen unter andern: auch damit, daß er dasselbe von der für ihn übernommenen Bürgschaft frei spracht). In der zweiten Urkunde vom 6. August 1330 verspricht Ludwig dem Grafen Friedrich von Zollern für noch zu leistende Dienste die Summe von 1200 Pf. Heller und weist ihm als Bezahlung „die Juden in Ueberlingen und ihre gewöhnliche Steuer" an^). Beide Urkunden legen zugleich Zeugnis von der Wohlhabenheit der Ueberlinger Juden ab. Selbst der König wird ihr Schuldner. Ihr Vermögen macht sie diesem wertvoll und unentbehrlich. Daraus erklärt es sich auch, daß die Bürger der Reichsstadt sich mit einer Klage gegen die Juden — diese wurden, wie so oft, der Ermordung eines Knaben beschuldigt — nicht an den König oder den Landvogt wenden wollten; denn sie vermuteten nicht mit Unrecht, daß diese gegen die Juden wegen ihres Geldes eher Nachsicht, als Strenge üben würden^). Verweilen wir, bevor wir die weiteren Schicksale der Ueberlinger Juden verfolgen, noch einen Augenblick bei dem der Gemeinde und einzelnen Mitgliedern derselben gehörenden Grundbesitz. Außer dem Friedhof, zu dessen Bewachung ein christlicher Knecht bestellt war^), besaß die Gemeinde eine Judenschule, ein hohes, steinernes Gebäude^), das bei der Katastrophe des Jahres 1332 eingeäschert wurde. Noch heute wird an der Stelle, «) Böhmer, Regesteu Ludwig des Baiern, Nr. 163. Stobbe, S. 128 u. 250. Bereits am 27. Oktober desselben Jahres hatte Ludwig die Stadt Eßlingen auf zwei Jahre von Entrichtung der Zinsen an die Juden befreit (Stobbe, S. 117). Am 31. Jan. 1316 erteilt der König eine dritte Urkunde, in der er Eßlingen von allen Schulden und Bürgschaften gegen solche Juden freispricht, welche von ihm zu des Reichs Feinden übergegangen wären. (Böhmer, Reg. Ludw. Nr. 183.) Daß in der Urkunde v. 27. Oktober von Zinsen an die Juden in Ueberlingen die Rede ist, wie Th. Martin in Schriften d. Ver. f. Gesch. d. Bodensees und seiner Umgebung IX, 98 annimmt, — der übrigens die drei Urkunden durcheinanderwirft, — geht aus dem uns bekannten Regeste nicht mit Sicherheit hervor. 7) Oekele, rer. doie. seripr. I, 763: „das ers äarod roe^ea soll, und n'anu er irer AS^veit. ^irt, so soll uos äie Zt^r leäiZ sin von üen seiden ^luäeri." Vgl. Böhmer, Reg. Ludw. Nr. 1178. Roth v. Schreckenstein in Ztschr. f. d. Gesch. d. Oberrh. Bd. 24, 262. Gegen letzteren bemerkt Wiener, Recension, a. a. O., S. 139 richtig, daß sich aus dieser Urkunde allein nicht mit Sicherheit die große Anzahl oder der Reichtum der Ueberlinger Juden beweisen lasse, da Friedrich von Zollern nicht mit einem Male, sondern nach und nach, was auch eine Reihe von Jahren dauern kann, die ihm versprochenen 1200 Pfd. von der Judensteuer in Ueberlingen einziehen sollte. 5) «lov. Vitoäurani Okrouieou e<Z. ^V^ss (Archiv f. schweiz. Gesch. XI, Zürich 1856). x. 106: iueorisulto imperatore I^uäwioo et a6voeati iuäioio, tevcleute ad iuäuIZerteiam ^udeorum propter peouuiaiu, spreto, yuia a6 pareeuäuin eis, nori ad puuieuäum eos erat prouus. 6) ^od. Vito<Z. 6ur0v. e6. ^^ss. p. 107: servo.luäeorurv katkelieo, nomine, von re, . . . . vi^il vaiu et eusros oimiterü ipsoi-nru erat. ") Sie ist sicherlich unter ,äorQus huaeäam exeelsa lapiäea/ bei Vitoduran zu verstehen. Der Chronist Reutlinger nennt hier geradezu „ir siuaZoZ, 6ie jet.20 öer deekuei-L-ulikt ist."

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