Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Juden am Bodensee und in seiner Umgebung
- Date
- 1887-01-01
- Page
- 216 (sequence 1)
- Language
- German
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Beiträge )ur Geschichte der Juden am Godensee und in seiner Umgebung. Von Moritz Stern. I. Die Juden in Ueberlingen In dem am nordwestlichen Ufer des Bodensees gelegenen Ueberlingen begegnen wir den Juden zum ersten Male im Anfange des 13. Jahrhunderts. Die Zeit ihrer Niederlassung daselbst ist nicht bekannt. Die älteste, uns erhaltene Nachricht erwähnt um 1226 in Ueberlingen einen jüdischen Friedhofs). Zwei noch erhaltene Grabsteine desselben aus den Jahren 1275 und 1276 geben uns weitere^) Kunde von den dortigen Juden*). Die ältere Grabschrift nennt als Namen des Begrabenen: „Asarjah, Sohn des R. Paregoros." Erst für das 14. Jahrhundert fließen die Quellen zur Geschichte der Juden in Ueberlingen reichlicher. Zwei Urkunden Ludwigs des Baiern thuen ihrer zunächst Erwähnung. Mit andern schwäbischen Städten war Ueberlingen nach der Doppelwahl des Jahres 1314 auf die österreichische Seite getreten, und die dortigen Juden zahlten demgemäß ihre Abgaben an König Friedrich und Herzog Leopold von Oesterreichs). Vor diesem Um- Im Allgemeinen vgl. Geschichte der Juden am Bodensee und Umgebung. Nach gedruckten und ungedruckten Quellen dargestellt von vr. L. Lö'wenstein. Erster Teil. 1879. Im Selbstverlag des Verfassers. (Gailingen.) S. die Besprechung Steinschneiders in der Hebr. Bibliogr. XlX (1879), 77 und die ausführliche Recension von M. Wiener im Jüdischen Literaturblatt, hrsg. von Or. M. Rahmer, Magdeburg, Jahrg. 1879, Nr. 35—37. 2) „vineani unam iuxta eiirtiterium ^uäsorairi", ^.eta s.?etri in ^.uZia e<Z. Baumann, in Ztschr. f. d. Gesch. d. Oberrh. Bd. 29 (1877), 70. Ueber die Zeitbestimmung der Niederschrift siehe daselbst, S. 4. 2) Als Zeuge erscheint in einer Ueberlinger Urkunde aus dem Jahre 1253 ein H. Indens (Ztschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins Bd. 35 ^1883Z, 326). Wir werden es hier jedoch wohl nicht mit einem Juden, sondern mit dem auch anderwärts vorkommenden Familiennamen Judeus zu thun haben. 4) Löwenstein, a. a. O., Anm. 13. 5) Stalin, Wirtembergische Geschichte III, 140. „dadurch, daß sie dem Herzog von Oestreich zu des reiches schmachheit warten und gehorsam sind": Urk. v. 1315. Nov. 24. Unter dem „Herzog von Oestreich" ist Friedrich gemeint, den Ludwig natürlich nicht als König anerkennt.