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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 2 · p. Seite 174

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 2
Article
Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
Date
1887-01-01
Page
Seite 174 (sequence 15)
Language
German
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174 I- Kracauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. Zu ihrem Tröste entnahmen sie aus dieser Unterredung, daß der Kaiser bei weitem nicht die schlimmen Absichten gegen sie hege, welche sie nach Pfefferkorns Vorgehen hatten befürchten müssen. Die Stimmung unter seinen Räten war freilich den Juden ungünstig genug. Deshalb befürchtete Jonathan noch immer das schlimmste, und dringend beschwor er in seinem Schreibens die Glaubensgenossen, die Größe der Gefahr doch nicht zu unterschätzen; es handle sich jetzt um einen Beschluß, welcher die Interessen der gesamten Judenheit auf's tiefste berühre; er selbst fühle sich seiner Mission nicht gewachsen; drum bitte er, baldigst klügere und gewandtere Männer an den Hof zu senden, natürlich mit gefüllten Beuteln, denn ohne diese wäre hier nichts auszurichten. So verstrich den Gesandten in voller Ungewißheit eine ganze Woche. Da ließ Freitag, den 26. Oktober, der Markgraf von Baden, welchen der Kaiser zum Prokurator in dieser Angelegenheit ernannt hatte, Jonathan Zion zu sich rufen. Das Resultat der dreistündigen Besprechung mit ihm war, daß der Markgraf sein möglichstes für die Juden zu thun versprach. Durch feinen Sekretär ließ er eine Bittschrift aufsetzen, welche Jonathan dem Kaiser überreichen sollte?). Semit schien sich alles auf's günstigste für die Juden zu gestalten. Da trat durch die unerwartete Ankunft Pfefferkorns am 29. Oktober die ganze Sache in ein neues Stadium. Die bisherigen Erfolge Jonathans und Isaaks blieben ihm nicht verborgend); er erkannte, daß, wenn er jetzt nicht energisch aufträte, der ohne dies schon wankelmütige Kaiser das Paduaner Mandat zurücknehmen und das Werk, an dessen Vollendung er mit so zäher Ausdauer gearbeitet hatte, wieder zerstören würde. Er begab sich sofort mit Kunigundens Schreiben zu Maximilian, stattete ihm Bericht über seine Thätigkeit in Frankfurt a. M. ab und knüpfte daran die Hoffnung, daß er ihm weitere Vollmachten gegen die Juden geben würde. Den Frankfurter Abgesandten suchte er, so oft er ihm auf den Straßen Veronas begegnete, durch Schmähungen und Drohungen einzuschüchtern, so daß dieser, für seine persönliche Sicherheit bangend, sich dem Kaiser zu Füßen warf und um Schutz für sich bat. Maximilian war eine Zeit lang geneigt, die Entscheidung einer Kommission von Fürsten zu übertragen. Diese sollten Jonathan Zion und Isaak, sowie Pfefferkern vorladen und nach Anhörung der Gründe und Gegengründe beider Parteien das Urteil fällen. Aber vor dieser Art von Entscheidung bangten die beiden Anwälte der Juden. Sie fühlten sich nicht gelehrt und redegewandt genug, um es mit Pfefferkorn, den sie bei weitem überschätzten, aufnehmen zu können. Sie verlangten daher eine Hinausschiebung des Termines, damit sich zu ihm dem Pfefferkorn ebenbürtigere Gegner einfinden könnten. Am 1. November erhielt Maximilian das Schreiben des Erzbischofs von Mainz und die Appellationsschrist der Juden. Beide verfehlten nicht, Siehe hebr. Bericht Nr. IV. 2) Eine Abschrift davon schickte Jonathan nach Frankfurt. — Als eifriger Judenfreund wird uns außerdem noch der Marschall Goldecker genannt ») Vgl. StreMx. und vekensio 3^ .

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