Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 13)
- Language
- German
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172 vr- I. Kracauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. zu gefährlich wäre. Vergebens appellierten die Frankfurter an ihr Gemeingesühl und stellten ihnen vor, daß ihr Fernbleiben auch auf die übrigen wie eine schlimme Seuche ansteckend wirken und eine allgemeine Fahnenflucht hervorrufen würde. Vergebens wiesen sie daraus hin, daß sie allein zu ohnmächtig wären, den Kampf gegen so mächtige Feinde mit Erfolg auszunehmen. Die drei erwähnten Gemeinden verstanden sich schließlich dazu, Geldbeiträge zu zahlen, wenn auch die anderen sich dazu verpflichteten, aber die bis jetzt entstandenen Kosten müßten die Frankfurter allein tragen 2). Von ihrer Haltung stach in anerkennungswerter Weise das hochherzige Benehmen der Regensburger ab. Aus ihrem Schreiben entnehmen wir^), welch innigen Anteil sie an den Geschicken der Frankfurter Juden nahmen. Aber sie ließen es nicht nur bei Phrasen des Bedauerns bewenden, sondern wirkten auch eifrigst für sie. So wiesen sie ihren Gesandten am kaiserlichen Hof, Weinsbach an, alle Hebel zu gunsten Jonathan Zions in Bewegung zu setzen. Sie ließen es sich ferner viel kosten, um vom Grafen Heinrich v. Gutenstein ein Zeugnis über Pfefferkorn zu erlangen, welches diesen in den Augen seiner hohen Gönner moralisch vernichten mußte. Dasselbe bekundete, daß, wie wir bereits aus der Einleitung wissen, „Josef Jud Metzger, Pfefferkorn genannt, so sich in neulicher Zeiten zu Köln taufen lassen hat, itzund Johannes P.efferkorn genannt wird, etwan hinter mir zu Tachau weselich gewohnt" wegen eines Einbruchdiebstahls ins Gefängnis geworfen und nur auf Bitten seiner (Pfefferkorns) Verwandten gegen Erlegung einer Geldbuße von 100 rh. Gulden begnadigt worden wäre*). Eine beglaubigte Abschrist dieser Urkunde hatten die Regensburger nach Frankfurt, eine andere nach Italien zu Weinsbach gesandt, damit er und Jonathan Zion von ihr am kaiserlichen Hof den ausgiebigsten Gebrauch gegen Pfefferkorn machten. Sehen wir zunächst, wie es Jonathan Zion auf seiner Reise und am kaiserlichen Hofe erging. S. hebr. Bericht 1. 0.; Graetz übersetzt (S. 395) diese Stelle unrichtig. 2) Hebr. Bericht (Nr. V). 2) Hebr. Bericht Nr. V und XI. Graetz hat sie sehr ungenau abgedruckt, für „etn-av" liest er etv^a. Am meisten Schwierigkeit macht die Bestimmung v. 55'12A. Drei mal wird dieser Ort im hebr. Bericht erwähnt; zwei mal wird er und einmal 55^152 (nicht wie Graetz schreibt 34t)Anmerk.) genannt, offenbar verschrieben für Graetz hält das darauf folgende "s^M ebenfalls für einen Ortsnamen, der uns Näher bestimmen soll, und fragt: Welche Stadt ist unter "i^i^l gemeint? Perles in „Beiträge zur Geschichte der Hebräischen und Aramäischen Studien" S. 29 Anmerk. bemerkt: „Der unenträtselte Ort 55"^N ist Zwiesel an der böhmischen Grenze bei Regensburg oder Weselitzck bei Tabor in Böhmen". Aber "s^s^i ist gar kein Ortsname, sondern ein Eigenschaftswort. „^Veslied sonnen" heißt soviel als mit Haus und Hof ansäsfiig sein (s. Lexer Bd. III is. 802). Somit bleibt nur noch die Erklärung von 5^12^ übrig. Dieses ist Tachau an der Mies in Böhmen, Kreis Eger, ungefähr 3 Meilen sädwestsüdl. v. Marienbad. Unsere Behauptung stützt sich darauf, daß Pfefferkorn später sich ein Leumundszeugnis von der Stadt gleichklingenden Namens Dachau ausstellen ließ; sodann finden wir auf dem im vorigen Jahrhundert so stark benutzten Jägerschen Atlas.. Blatt I.I ein Schloß Gutenstein (IV2 Meil. nördlich v. Mies) und 4 Meil. westlich davon unser Tachau, die Herren von Gutenstein besaßen aber Tachau (s. Kneschke, Adelslexikon). Da Regensburg nicht so weit davon lag, konnten die dortigen Juden auch leicht Erkundigungen über sein Vorleben eiuziehn.