Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 11)
- Language
- German
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170 vr. I. Kracauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfuet a. M. Werkzeuge gegen die Juden zu machen, war in der ersten deutschen Reichsstadt, in der er als kaiserlicher Bevollmächtigter aufgetreten war, auf unerwarteten Widerstand gestoßen und hatte — das konnte er sich nicht verhehlen — eine empfindliche Niederlage erlitten. Sein ferneres Bleiben in Frankfurt hatte nun keinen Zweck mehr; auf sein Verlangen stellte ihm der Rat eine Urkunde über seine Thätigkeit daselbst aus ^) und machte ihm ein Geschenk von 2 Gulden; er hatte nämlich bei ihm um Unterstützung nachgesucht 2). Am 4. Oktober verließ er Frankfurt ^) und reiste zum zweiten Male nach Italien^). Er beschleunigte seine Reise aus Furcht vor den Gegenanstrengungen der Juden und gönnte sich nur soviel Zeit, um bei seiner alten Gönnerin Kunigunde vorzusprechen; von ihr erhielt er ein seine Angelegenheit befürwortendes Handschreiben ^). II Inzwischen hatte die Franksurter Gemeinde eine rastlose Thätigkeit entfaltet, um den ihr drohenden Schlag, wenn auch nicht abzuwenden, so doch wenigstens abzuschwächen. Gleich nach Pfefferkorns Eintreffen in Frankfurt hatte sie einen gewissen Jonathan Zion nach Worms gesandt, der vom Kammergericht einen Aufschub der Mandatsvollziehung erlangen sollte 6). Zu den einflußreichsten Richtern gehörte der Graf Adolf v. Nassau, welcher durch seinen Eifer für die Habsburgische Sache die Gunst Maximilians in hohem Grade besaßt). Der Graf war aber — aus welchem Grunde wissen wir nicht — gegen die Juden aufgebracht; und so kehrte Jonathan Zion unterrichteter Sache nach Frankfurt zurück. Jetzt beschloß die Gemeinde, sich unmittelbar an den Kaiser, der damals gegen die Venetianer zu Felde lag, zu wenden. Die Erlaubnis dazu hatte sie ja vom Rate erwirkt. Mit den nötigen Bollmachten versehen, reiste Jonathan Zion nach dem italienischen Kriegsschauplatze ab. Aber der Erfolg seiner Mission war schon von vornherein dadurch in Frage gestellt, daß die Gemeinde ihm ungenügende Geldmittel mitgegeben hatte. Sie ging nämlich von der Ansicht aus, daß auch die übrigen Gemeinden Deutschlands, gegen welche das Mandat ebenfalls gerichtet war, nicht unthätig, ohne Opfer zu 1) S. LrZrad. 58a und die Urkunde im Streydtp. La abgedruckt bei Geiger: Archiv?c. S. 212, Anmerk. 2, (Zeile 4 ist anstatt vn zu lesen?n). 2) LrAmd. I. 0. 3) Somit blieb Pfefferkorn in Frankfurt vom 20.9.—4.10. (Dies gegen Geiger. Meuchl. S. 218 und Archiv S. 211^). 4) Über seine Thätigkeit in Frankfurt, sowie über die Beweggründe zu seiner zweiten Reise berichtet Pfefferkorn in drei Schriften: 1. Ia lod vuü esr e-w. 2. In der 6eferisi0 ooutrs. karQ0Las sto. 3. Im Strs^dtpueekl. Ich folge ausschließlich dem ersten ältesten Bericht; die späteren widersprechenden find tendenziös gefärbt. 5) lu lod vnä eer Kap. 4. e) S. hebr. Bericht I. y Über ihn s. Karl Menzel: Geschichte von Nassau von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zur Gegenwart mit den Fortfetzungen von Schliphake, Bd. V S. 441—524. Ueber sein sonstiges Verhältnis zu den Juden wissen wir sast gar nichts. Wir erfahren nur gelegentlich, daß er den Juden Simon v. Weissenau, wohnhaft in Frankfurt, wegen seiner getreuen Dienste mit Weib, Kindern und Gesinde in seinen besondern Schutz und Schirm nahm (a. a. O. S. 489).