Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 9)
- Language
- German
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168 vr. I. Kracauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. verdrießen, daß der Kaiser über sein Haupt hinweg, ohne sich mit ihm verständigt zu haben, die Juden seines Sprengels Pfefferkorns Jurisdiktion preisgab. Nicht ungern gab er daher Gumprecht Gehör, zumal da dieser Pfefferkorn als einen im Hebräischen unwissenden Menschen hinstellte,') und verbot seinen Geistlichen unter Androhung der härtesten Strafen, sich weiter in die Bücherangelegenheit einzumischen. Er behielt sich außerdem die Strafe gegen diejenigen Mitglieder des Kapitels vor, die Pfefferkorn unterstützt hatten. 2) Gumprecht teilte auch den Entschluß der Frkf. Juden, sich beschwerdeführend an den Kaiser wenden zu wollen, mit und ersuchte den Erzbischof um seine Fürbitte. Uriel v. Gemmingen sagte ihm diese zu. Durch seinen Marschall Frowin v. Huttens ließ er den Kaiser ersuchen, Pfefferkorn kein weiteres Mandat gegen die Juden auszustellen; sodann wies er Frowin an, sobald die Abgesandten der Frkf. Gemeinde am kaiserlichen Hos erscheinen würden, sie eifrig zu unterstützen. Und damit nicht zufrieden, sandte er dem Kaiser ein Schreiben, das, in so ehrfurchtsvollem Tone es auch abgefaßt war, eine scharfe Kritik seines Erlasses enthielt. Er wäre ganz überrascht, schrieb er, aus letzterem zu vernehmen, daß sich christenfeindliche Schriften in seiner Diöcese befänden; diese aber zu ermitteln, erachte er Pfefferkorn wegen seiner ungenügenden Kenntnisse in der heiligen Schrift für ungeeignet. Darum möge der Kaiser eine tauglichere Persönlichkeit zur Vollstreckung seines Mandats ernennen. Erst Dienstag Nachmittag kehrte Gumprecht mit dem für die Juden so günstigen Bescheide nach Frankfurt zurück. Er kam grade zur rechten Zeit, um den jetzt ganz in die Enge getriebenen Glaubensgenossen Rettung zu bringen. Wie wir wissen, hatte man Montag weiter gegen die Jüdischen Schriften vorgehen wollen. Aber die Juden verstanden, die Konfiskation noch einen Tag aufzuhalten und die Verhandlungen so lange hinzuziehen, bis sie über die Gesinnung des Erzbischofs gegen sie unterrichtet wären. Sie erklärten Pfefferkorn und der Kommission: Die ihnen von den Päpsten und Kaisern ausgestellten Privilegien, die sie bereit wären, vorzulegen, garantierten ihnen ausdrücklich den Besitz ihrer Bücher. Deshalb nähmen sie auch die früher gemachte Zusage, die Bücher in die Synagoge zu bringen, wieder zurück. Durch unwahre Berichte über sie wäre der Kaiser zum Erlaß des Mandats bewogen worden; sie hofften fest, daß ihre Abgesandten ihn eines besseren belehren und ihn zur Zurücknahme des Mandats bewegen würden. Es würde zu weit führen, wenn wir die einzelnen Phasen der Debatte verfolgen wollten. Durch scheinbares Entgegenkommen hoffte schließlich Pfefferkorn die Juden nachgiebiger zu stimmen. Sie sollten ihm alle Bücher ausliefern; fände er darunter nur zwei ketzerischen Inhalts — 1) S. Brief des Erzbischofs an den Kaiser. (Amst. Manuskr.) 2) S. hebr. Bericht. H nicht „Freien v. Hutten" (wie Graetz schreibt) s. Amst. Manuskr. Seit August 1509 hielt er sich am Hof Maximilians auf, der gern auf seinen Rat hörte, (s. Joannes paZ. 820 rmä 6u6snus l'ora. IV 574,575.)