Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 7)
- Language
- German
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166 vi-. I. Kracauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. von der kaiserlichen Verfügung in Kenntnis setzen und seinen Rat und Beistand bei der Durchsuchung der Bücher erbitten. Inzwischen hatte Pfefferkorn dafür gesorgt, daß die Kunde von seiner Ankunft sich rasch unter den Juden Frankfurts verbreitete. Er ließ ein Plakat anschlagen, durch welches er sie zu einer öffentlichen Disputation über ihre Schriften ausforderte „inn äer ^ntlielikeit oäer M äas Leuer, ^Le ins Asliedt 2). Sollten sie sich aber ihr entziehen, so bitte er jeden christgläubigen Menschen „äie selimelieliekev) seneutlielieu ^uääen äassir aekten vnä kalten" ete. Die Geistlichen stellten sich, ohne hierzu zuvor die Erlaubnis vom Erzbischof von Mainz einzuholen, bereitwillig dem Rate zur Verfügung. Letzterer berief die Juden in die Shnagoge. Daselbst lasen ihnen die Abgesandten des Kapitels: Johann v. Gryffenstein und Joh. Brun in Gegenwart vr. Adams und der Ratsfreunde das kaiserliche Mandat vor und befahlen ihnen, sofort sämtliche Schriften in die Synagoge zu bringen. ^) Im ersten Augenblick wußten die Juden nichts zu entgegnen. Dann erklärten sie, daß sie „al3 ersedroeken Inte" einen sofortigen Bescheid auf die Forderung des Rates nicht geben, könnten. Sie baten um Bedenkzeit, zumal sie in so kurzer Frist unmöglich ihre Bücher in die Shnagoge tragen könnten. Nach kurzer Beratung wurde ihnen der Aufschub bewilligt, nachdem sich die Rabbiner im Namen der Gemeinde verpflichtet hatten, die Bücher inzwischen nicht zu veräußern, sondern sie der Kommission jederzeit und an jeden Ort zu bringen. ^) Alsbald berieten sich die Juden über die Maßregeln zur Abwehr der ihnen drohenden Gefahr. Offenen Widerstand konnten sie dem kaiserlichen Mandate nicht leisten; andrerseits wollten sie die ihnen so teuren religiösen Schriften nicht ausliefern, ohne zuvor das Äußerste versucht zu haben. Sie führten einen Grund nach dem andern gegen die Kommissarien zu Felde; sie beriefen sich auf ihre Privilegien, verlangten einen Aufschub; endlich, nachdem alle Mittel des Widerstandes erschöpft waren, ergaben sie sich in ihr Schicksal. Freitag, den 28. 9., beteiligte sich auch Pfefferkorn, der am Dienstag nicht anwesend gewesen war, ^) an den Verhandlungen. Beim Beginn derselben wurde den Juden nochmals das Mandat mitgeteilt«), darauf verlas Pfefferkorn seinen Dienstbries, der ihn als kaiserlichen Mandatar legitimierte. Von Padua aus hatte Maximilian alle Reichsstädte von der Pfeff. erteilten Kommission in Kenntnis gesetzt. S. Beil.; das Stadtarch. von Worms besitzt ein mit diesem vollständig gleichlautendes Schreiben. 2) S. Beilage. — Obgleich das Plakat ohne Datum ausgestellt ist, so muß es doch in diese Zeit fallen, denn, wie wir bald erfahren werden, die Frankfurter Juden beauftragten ihren Abgesandten Jon. Zion, beim Kaiser dahin zu wirken, daß die Disputation mit Pfefferkorn unterbliebe. 2) Bürgern?. 54d. Die folgende Darstellung hält sich genau an das Memorials im Frankfurter Stadtarchiv. 4) Somit irrt Geiger, der durch den zu kurzen Protokollauszug des Bürgermeisterbuches verleitet, schon Dienstag die Bücher konfiscieren läßt. (Frankfurter Archiv 1869, S. 210.) 5) Das so ausführliche kleinorials erwähnt wenigstens seine Anwesenheit nicht. 6) „äornit sion nieraant entsonuläiAen rnuAS." (Uernor.)