Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 6)
- Language
- German
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vr. I. Kraeauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. 165 hätte, zum Schweigen bringen würde. War derselbe doch wegen seines Charakters und seiner Gelehrsamkeit allgemein hoch angesehen und damals wohl der einzige Christ in ganz Deutschland, der der hebräischen Sprache und teilweise auch der Literatur kundig war. Auch hatte er wenige Jahre vorher in seinem ,)tüt8ok mi8Lius, ^arumb äis ^uäen so lav^ im ellenä Lmä" t) ihnen vorgeworfen, daß ihre Bücher voll Lästerungen gegen das Christentum wären. Um so sicherer erwartete Pfefferkorn, ihn für sein Vorhaben zu gewinnen. Aber darin täuschte er sich; Reuchlin schlug ihm die Bitte ab unter dem Borwande, gegenwärtig zu sehr beschäftigt zu sein. Er hielt sich zu einem Kreuzzuge gegen die jüdischen Schriften nicht befugt, da ja im Mandate seiner gar nicht Erwähnung geschehen war; er erklärte Pfefferkorn, daß das Mandat, dessen Inhalt er im übrigen billige, in formeller Hinsicht etliche Mängel habe. Überhaupt scheint Pfefferkorn schon damals, wie sehr er uns auch des Gegentheils versichert, 2) keinen Zutrauen erweckenden Eindruck auf Reuchlin gemacht zu haben. Bei seiner unersättlichen Wißbegierde und seiner Vorliebe für die hebräische Literatur ließ letzterer nicht leicht die Gelegenheit vorübergehen, die Lücken in seinen hebräischen Kenntnissen auszufüllen. So wollte er sich auch von Pfefferkorn einige Stellen in einem talmudischen Werk, dem „Noräeekai", erklären lassen. Wie enttäuscht war aber Reuchlin, als derselbe ihm beschämt gestehen mußte, daß er nur die Bibel kenne, von den talmudischen Schriften aber nichts verstehe! 2) Und dennoch wollte er dieselben auf ihren Inhalt untersuchen! Auch daß ihn Reuchlin „gütlich warnte, zu lügen, daß er selbst ein guter Christ sei", ^) scheint nicht dafür zu sprechen, daß er von der Reinheit der Pfefferkornschen Absichten gegen die Juden überzeugt war. Beim Abschied schrieb Reuchlin auf besondern Wunsch Pfefferkorns auf einem Blatt Papier die Stellen im Mandate auf, welche nach seiner Ansicht mangelhast wären und deshalb einer Änderung bedürften. Von Stuttgart begab sich Pfefferkorn nach Frankfurt a. M. ^) Am 20. September °) überreichte er dem Rat der Stadt den kaiserlichen Schirmbries und sicherte sich dadurch eine ehrenvolle Aufnahme. ^) Tags darauf wurde in der Ratssitzung das Generalmandat verlesen. Der Rat ernannte sogleich Doktor Adam zum „Ratspfleger", und zu „Ratsfreunden", der Bestimmung des Mandats gemäß, Meister Friedrich v. Altzei, Gilbrecht v. Horhausen und Enders Herden. Dieselben sollten sich mit dem Stadtschreiber zum Kapitel des Bartholomäusstistes begeben, dasselbe 1) BöokivA Luxpl. II S. 55 und Geiger Reuchl. S. 206 ff. 2) Sowohl in der äekensio, als auch im Ltre^dtp. 2) ^uZeuLp. 5oI. Xl^d. H ^.uASiispisAel XXIX d. 5) Ii. L. H.^. Bei dieser Darstellung habe ich mich lediglich an Reuchlins „^.uZevspisAel« gehalten. Pfefferkorns spätere Berichte über diese Begegnung sind durchaus entstellt. «) Dieses Datum ergiebt sich aus Bürgermeisterbuch 1509, Fol. 52 d und aus der im Strs^ätx. La. mitgeteilten Urkunde. ') Bürgern?. 53d.