Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 5)
- Language
- German
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164 vr. I. Kracauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. bei den Christen fand er nicht die erwartete Förderung. Um wirksamer gegen die Juden vorgehen zu können, die kaiserliche Kammerknechte waren, mußte man sich der Unterstützung des Kaisers versichern. Dies geschah durch Maximilians Schwester,Kunigunde, die nach dem Tode ihres Gemahls, des Herzogs Albrecht IV. von Bayern, sich von der Welt zurückgezogen hatte und Nonne eines Franziskanerklosters geworden war. An sie sandten die Franziskaner den Pfefferkorn Juli oder Anfang August 1509. Leicht gelang es ihm, sie von dem Verdienstlichen seines Bestrebens zu überzeugen und ihre thätige Mithilfe zu erlangen. Sie gab ihm ein Schreiben an ihren Bruder mit, der im August 1509 gegen die Venetianer zu Felde lag, und beschwor ihn, Pfefferkorns Absichten gegen die Juden zur Ausführung zu bringen. Ihr Brief verschaffte diesem Zutritt und gnädige Ausnahme beim Kaiser. Sogar für Pfefferkorns Privatangelegenheiten interessierte dieser sich und schrieb an den Rat von Worms, demselben in seinem Prozeß gegen zwei Wormser Juden, die er (Pfefferkorn) wegen Verleumdung beim Kammergericht verklagt hatte, zu seinem Rechte zu verhelfen. Zugleich stellte er (am 19. 8) einen Schirmbriefaus, in welchem er ihn in besonderen Schutz nahm und jedermann ermahnte, ihn nach Kräften in seinem Werke zu fördern. Endlich erließ auch Maximilian am selben Tage ein Mandat, das alle Wünsche Pfefferkorns befriedigte. Dasselbe ist an alle Juden des Reiches gerichtet. ^) Es macht ihnen den Vorwurf, daß sie nach glaubwürdigem Bericht etUeke vnASAruväte unnütze büelier besäßen, die den christlichen Glauben schmähten, auch gegen die 5 Bücher Mösts verstießen und die Hauptursache seien, daß sie sich vom christlichen Glauben abwendeten. Deshalb sollten sie bei Vermeidung seiner Ungnade und schwerer Strafe an Leib und Gütern Pfefferkorn „als ewen nol^elerten vnä erfarn eu^erZ Alaudens vnä äer düeker No^si vnä äer xroxketen" alle ihre Bücher ausliefern. Diejenigen darunter, welche von der eben erwähnten Beschaffenheit seien, solle er, „doch überall mit Wissen des Rates, in Gegenwart des Pfarrers und zweier Ratsdeputierten wegnehmen und vernichten, damit die Juden, wenn sie auch nicht das Christentum annähmen, wenigstens nicht in Irrtum und Ketzerei verfallen." Der Kaiser erwarte, daß die Obrigkeiten sich bereitwilligst Pfefferkorn zur Verfügung stellen werden. Von Italien kehrte Pfefferkorn zu seiner Beschützerin Kunigunde zurück. Triumphierend berichtete er ihr seinen Erfolg. Von München begab er sich nach Stuttgart. ^) Er wollte Reuchlin veranlassen, mit ihm an den Rhein zu reiten und ihm bei der Vollstreckung des Mandates beizustehen. Er mochte wohl fühlen, daß grade die Mitwirkung eines Mannes wie Reuchlin manche Stimme, die sich gegen seine eigene Person erhoben!) S. über sie das bei Geiger Reuchl. S. 216 Anm. 1 angeführte Citat. 2) Der Schirmbrief und die eben angeführten Urkunden sind erhalten. 3) Das Frankfurter Stadt-Archiv besitzt eine gleichzeitige Copie; abgedruckt ist das Mandat mit nicht bedeutenden Abweichungen in „lod vnä eer« Cap. III und im Ltre^ätx. Zb—^ 4 b. Auch das Amsterd. Manuskr. hat das Mandat mit unbedeutenden Varianten. S. in lod vnä eer Cap. IV.