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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 2 · p. Seite 163

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 2
Article
Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
Date
1887-01-01
Page
Seite 163 (sequence 4)
Language
German
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vi-. I. Kracauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. 163 Aufmerksamkeit der Geistlichkeit aus sich. Nach der Angabe im StreMtxueekl. (1^ Lj ^) war es der Franziskaner-, nicht der Dominikanerorden, ^) der in ihm ein brauchbares Werkzeug für seine Pläne erkannte. 2) 50 Jahre vorher hatten zwei Franziskanermönche, Capistrano und Bernardinus, durch ihre Predigten gegen die Juden unsägliches Unheil über sie gebracht; vielleicht dachte der Orden jetzt daran, auf eine weniger gewaltsame Weise die Bekehrung der Juden mit Pfefferkorns Hilfe zu erreichen. Unter dessen Auspizien begann Pfefferkorn seine schriftstellerische Thätigkeit. Von 1507 ab veröffentlichte er zahlreiche Schriften gegen seine ehemaligen Glaubensgenossen. ^) Jede Zeile in ihnen atmet den leidenschaftlichsten Haß; er häuft Beschuldigungen auf Beschuldigungen; ihre religiösen Vorschriften und Gebräuche sucht er lächerlich zu machen. Die strengsten Maßregeln gegen sie befürwortet er; man solle sie aus dem Reiche vertreiben, oder sie zu den schimpflichsten Arbeiten anhalten. ^) Habe man es aber auf eine dauernde Besserung der Juden abgesehen, so empfiehlt er ein nach seiner Ansicht unfehlbares Mittel. An der Verworfenheit der Juden wären vor allem ihre Bücher, „die Mutter aller Bosheit", 2) schuld. Dieselben lehrten sie alle erdenklichen Schlechtigkeiten, schmähten Christus, Maria und die Heiligen, und wären somit der Hauptgrund, daß die Juden noch in ihrer Religion beharrten. Nähme man ihnen aber diese Bücher — und daraus kommt er in allen seinen Schriften zurück, — so würden die Juden ihren Haß gegen Christus und die Christen aufgeben und bald die Taufe annehmen. ^) Seit Pfefferkorns Bekehrung waren schon 5 Jahre verstrichen; die Hoffnung, die seinem Ehrgeiz so geschmeichelt, und die er so prahlerisch zur Schau getragen, einen großen Teil der Juden zum Christentum hinüberzuziehen, hatte sich bis 1509 nicht erfüllt, daher wird der Ton in seinen späteren Schriften gegen die Juden immer maßloser. Letztere suchten begreiflicherweise, höchst erbittert über die Angriffe des Apostaten, ihm unter Hinweis aus seine Vergangenheit möglichst zu schaden; Pfefferkorn fabelt sogar von Anschlägen, welche sie gegen sein Leben gefaßt hätten.Auch 2) Die Verbindung Pfefferkorns mit den Dominikanern erfolgte erst später, als Reuchlin in seinem Gutachten über den Talmud und in seinem „Augenspiegel" gegen Hochstraten aufgetreten war. 2) Auch Pfefferkorns Gönnerin, Kunigunde, des Kaisers Schwester, gehörte diesem Orden als Nonne an. 2) Das Nähere über diese s. LöokinA Luxplenz. I S. 55—155 und den eonspeotus ekrorwIoZieus S. 127 ff. Eine Inhaltsangabe derselben, soweit sie bis zum Jahre 1510 erschienen waren, giebt Geiger im Reuchlin S. 211-215. Die Schriften erschienen teils in deutscher, teils in lateinischer Sprache. Letzterer war Pfefferkorn nicht mächtig, die Übersetzung besorgten daher andere für ihn, aber auch seine deutschen Broschüren müssen im Stil und in der Orthographie von anderer Hand verbessert worden sein, denn wie ein eigenhändiges Schreiben Pfefferkorns (so. Beilage Urkunde Nr. 25) zeigt, war feine Orthographie sehr fehlerhaft und sein Stil nicht frei von jüdisch-deutschen Ausdrücken. 4) So am Schluß von kostis «suäeorniu (1509). Graetz IX, 85 liest falsch cowpellanäi für eompellenäi, poreoruw für kovorurn. ö) S. „Osternbuch" Cap. V. 6) Am Schluß des „Q08tis ^uäeoruiii". In der Widmung des kostis juä. an den Kurfürsten Philipp von Cöln.

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