Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 3)
- Language
- German
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162 Dr. I. Kracauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. dabei ertappt und ins Gefängnis geworfen. ^) Einem peinlichen Verhör und der Bestrafung entging er nur durch die Fürbitte seiner Verwandten. Nach Zahlung einer Geldbuße von 100 rh. Gulden entließ ihn der Graf der Hast. Wahrscheinlich mußte er Tachau verlassen; später finden wir ihn in Dachau bei München. Sein Metzgerhandwerk hatte er inzwischen aufgegeben. Ob wir aus dem von Reuchlin gegen ihn erhobenen Vorwurf (s. Pfefferkorns Stre^ätp. ^er se? nLt insr als ein vu- Aelerter vnuer^arener sedrelder unäer äen Mäen Sehest" einen Schluß auf seinen nunmehrigen Beruf ziehen dürfen, lasse ich dahingestellt. Im Jahre 1504 trat er mit Frau und Kindern und einigen Freunden — im Ganzen 10 Personen — in Cöln zum Christentum über. 2) Seinen Vornamen Josef änderte er in Johannes um. Vom Jahre 1507 ab hatte er wohl sein Wanderleben aufgegeben und sich in Cöln dauernd niedergelassen; wenigstens erscheinen seine zahlreichen Streitschriften zum größten Teil daselbst. Als Grund für den Übertritt zum Christentum gaben Pfefferkorns Gegner seine Furcht vor den Juden an, die ihn wegen seiner schlechten Handlungen hätten töten wollen. ^) Ich will es dahingestellt sein lassen, ob er aus wirklicher Überzeugung von der Wahrheit der christlichen Religion die Taufe genommen hat. In Cöln, wo man seine Vergangenheit nicht kannte, machte er jedermann glauben, daß in ihm nicht ein geringer Jude seinen väterlichen Glauben verlassen habe, sondern ein Mann von hoher Abkunft, vom Stamme Naphtali. ^) Mit großer Dreistigkeit erklärte er, er wäre von seinen früheren Glaubensgenossen geliebt und hoch geehrt worden; sie hätten ihn in wichtigen Missionen zu Königen, Fürsten und Herren geschickt und ihm sehr vertraut. Zugleich gab er sich den Schein einer großen Gelehrsamkeit und eines umfassenden Wissens auf dem Gebiete der hebräischen Literatur. ^) Er versicherte, daß der Übertritt einer Persönlichkeit wie er nicht ohne Mnfluß auf die Juden sein würde, und daß er schon einige ^) derselben für das Christentum gewonnen hatte; darauf that er sich nicht wenig zu gute. Als seine nunmehrige Lebensaufgabe bezeichnete er überall, die Juden von den Irrlehren ihres Glaubens zu überzeugen und sie zur Annahme der Taufe zu bewegen. Durch dieses Bemühen lenkte er begreiflicherweise die Cap. VI, Cap. XIV), deutliches Zeugnis ab. Im „Judenfeind" (erschienen 1509) übersetzt er ^esus ^a?areriu3 rex ^uäeorum mit O'NI^N N11>2 ))l^1N^ Weitere Belege für seine Unwissenheit werden im Folgenden gebracht werden. 1) Siehe angeführte Urkunde. Aus ihr gebt auch hervor, daß er kein Unterthan des Grafen von Gutenstein war. Auf diesen Diebstahl beziehen sich viele Stellen in den ep. obso. vir., z. B. I, 36, II, 3. Bemerkenswert ist auch das Zeugnis des kaiserlichen Notars Jacob Sketa (s. Mr. Sutt. eä. Löek. suppl. II. S. 605 Nr. 16) gegen Pfefferkorn. 2) Dieses Jahr ergiebt sich aus der am 25. August 1506 vom Pfalzgrafen Philipp ausgestellten Urkunde, in der es heißt: Pfefferkorn und seine Frau Anna seien in „2^veieu neckst versehenen ^areu" in Cöln getauft worden (Ztrevötp.?ij.^)' 3) S. spist. ods. vir. II, 3 uuä I, 23. H S. äetensw Nij: me nstum proLteor ex optima proZenis und 0H. 1. e. Die Humanisten machen sich öfters darüber lustig, so in ep. odse. vir II, 3 und 37. s) Äekeriö. 0 2b. 6) Vergl.: In lod vuä eer; ferner äeteus. ^. 2, 0 3.