Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 2)
- Language
- German
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vr. I. Kracauer, Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. 161 tagsberichte der Frankfurter Abgeordneten Jacob Heller und Carl v. Hhnsperg aus dem Jahre 1510 wichtige Aufschlüsse. Ich fühle mich verpflichtet, H. vr. Grotefend und H. vr. N. Brüll für die mannigfache Förderung, die sie mir bei der Abfassung dieser Arbeit mit größter Liebenswürdigkeit zu teil werden ließen, an dieser Stelle meinen wärmsten Dank auszusprechen. I. Die Anklagen gegen den Talmud gehen bis in das 13. Jahrhundert zurück. Einen ernstern Charakter aber nahmen diese Beschuldigungen erst an, als sie gegen Ende des Mittelalters wieder erhoben wurden. Diesmal hing die Entscheidung über das Schicksal der jüdischen Bücher von einem billigdenkenden Kaiser, Maximilian, ab, welcher der Kirche und dem Papsttum gegenüber eine selbständige Haltung behauptete und, ohne im geringsten für die Juden eingenommen zu sein, doch die Gesetze des Rechtes und der Menschlichkeit auch gegen sie gewahrt wissen wollte. Während aber im 13. Jahrhundert der Papst und die geistlichen Fürsten, wenn auch ein getaufter Jude dazu den Anstoß gab, den Kampf gegen den Talmud bis zu dessen Vernichtung in Frankreich führten, stellte sich diesmal der abtrünnige Pfefferkorn selbst an die Spitze der Bewegung. Was wir über dessen Vorleben wissen, verdanken wir nicht sowohl seinen eigenen Mitteilungen, als denen seiner Feinde, deren Berichte wir selbstverständlich mit großer Borsicht aufnehmen müssen. ') Pfefferkorn wurde 1476 geboren; sein Geburtsort ist uns unbekannt. Er erhielt nur den elementarsten Unterricht im Hebräischen; die alltäglichen Gebete und die 5 Bücher Mosis konnte er allenfalls wohl übersetzen; auch einige andre Bücher der heiligen Schrift waren ihm vielleicht bekannt, doch darüber hinaus erstreckte sich sein Wissen nicht; das eigentlich talmudische Gebiet war ihm ein Buch mit sieben Siegeln. ^) Als Metzger finden wir ihn in der böhmischen Stadt Tachau, die dem Grasen v. Gutenstein gehörte. Viel kann ihm sein Handwerk nicht abgeworfen haben und ebensowenig die Geldgeschäfte, die er nebenbei betrieb (folgt aus vsksiisio Nij.); er suchte auf weniger ehrlichem Wege in den Besitz von Geld zu gelangen. Er verübte gegen einen gräflichen Unterthan einen Einbruchsdiebstahl — das Jahr der That ist unbekannt —, wurde Die einzelnen Mitteilungen über Pfefferkorns Leben hat L. Geiger in seinem Aufsatz: „Johannes Pfefferkorn. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden und zur Charakteristik des Reuchlinschen Streites" in A. Geigers „Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben", 1. Jahrgang S. 293-309 zusammengestellt. 2) S. den Beleg bei Ulr. Sutt. eHnitis opernni snpp. II. S. 434 (eä. LookiiZA); Geiger hat in der angeführten Schrift S. 297 das Jahr 1469. 3) Daß Pfefferkorn Metzger war, ist hinlänglich bezeugt durch eine im Amst. Manuskr. befindliche Urkunde. Durch dieselbe wird das Zeugnis Reuchlins und die häufigen Anspielungen in den ep. odse. vir. (z. B. Nr. 25), die Geiger l. c. 298 mit Unrecht anzweifelt, bestätigt. Für Pfefferkorns gänzliche Unkenntnis des Hebräischen (dies gegen Geiger S. 325) legen Pfefferkorns Citate in seinen Schriften, besonders in lob vnä eer (s. Cap. V; daselbst übersetzt er auch O^II^O mit ^salterira; s. ferner