Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 24)
- Language
- German
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132 Richard Maria Werner, Nicolai und seine Freunde über Mendelssohn. in Hamburg sagte mir Hr. Leßing, daß Ew. Hochedelgeb. ein paar von den kleinen Streitschriften besäßen, die in England über Li-o^n's visserr. 0Q?oetr^ aoä Uusie geschrieben sind. Ich habe dieß Werk übersetzt, und bin behnahe damit fertig; die eine Gegenschrift: Lome ObservatLous 0Q vr. Browns ete. ete. in a lettre to Or. L^. und das Urtheil der Revis^ers habe ich dabeh genutzt!" Er erbittet sich daher die übrigen, da der Druck seiner Übersetzung in Leipzig bereits angefangen habe. „Aber eine noch größere Bitte! — Herr Leßing sagte mir zugleich, daß Hr. Moses Mendelsohn viele eigne Anmerkungen zu Browns Buch ausgezeichnet hätte, und daß er sie mir vielleicht mittheilen würde, wenn sich die Freundschaft Ew. Hochedelgeb. für mich intereßirte . ." Läßt sich so Mendelssohns stilles Mitarbeiten bei Werken Anderer aufzeigen, so weist Bretschneider in einem Briefe aus Coblenz den 21. May 1776 eine unbewußte Entlehnung Mendelssohns nach; er schreibt an Nicolai: „Haben Sie nie ein Buch gesehen der teutschen Sprache Ehrenkranz neben einen Namenbuch Straßb. 1644. 8". jvgl. Maltzahn Bücherschatz II. 1300. ohne Vf.Z. Das Buch ist in manckerleh Betracht interessant aber seltsam ist es, daß der Autor HEn. Moses Mendelsson um die Ehre der Erfindung eines guten Gedanken bringt, denn er fängt seine Vorrede mit dem nehmlichen Gleichniße von des Diogenes Faß an, als wie HE. M. M. die Seinige vor den Philos. Schriften. „Als der kluge und spitzfindige Diogenes eins mals gesehen und wahrgenommen" u. s. w. Solcher Kleinigkeiten ließen sich aus den Briefen in Nicolai's Nachlaß noch gar manche eitleren, welche jedoch nur in größerem Zusammenhange Bedeutung erhielten; fast jeder Correspondent Nicolai's — und deren waren mehr als genug — erwähnt Mendelssohn in mehr oder weniger charakteristischer Weise. Köstlich sind einige Anspielungen in den originellen Briefen Hamanns an Nicolai; so scherzt er am 7. Junii 73, er glaube keinem Menschen mehr etwas schuldig zu sein als u. a. „ich weiß aber auch nicht jwie^ viel für Agio an Golde unserm Israeliten Mendelssohn" und fährt dann mit einer Anspielung auf die letzten an Kriton gerichteten Worte des Sokrates ') fort: „Wie sehr wünschte ich sein ^ssoulap zu sehn 2) — Kinder machen, Kinder machen, sagte mir ein großer ^inaneier in?elvin (und zwier lzwelmah, dies Wort war für mich genug, wie oft Sie es unserm Patienten wiederholen müssen, werden Sie beßer als ich wißen) Kinder machen erschöpft die animalische Haushaltung mehr als Predigen und Bücherschreiben, — Wozu bedient er sich nicht des Mosaischen bsQeöczil der Ribbe seines Leibes einen Scheidebries zu geben — Statt eines Hahns bleibt Er mir den Phädon und den 3ten Theil der philosophischen Schriften schuldig. Grüßen Sie ihn statt des ^^io in „Freund! vergiß nicht, dem Gott der Genesung einen Hahn zu bringen; denn wir sind ihm einen schuldig!" 2) Mendessohn kränkelte damals so sehr, daß bereits die Nachricht von seinem Tode verbreitet war, und mehrere seiner Verehrer an Nicolai deshalb besorgte Fragen richteten.