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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 2 · p. Seite 129

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 2
Article
Briefe von, an und über Mendelssohn
Date
1887-01-01
Page
Seite 129 (sequence 21)
Language
German
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Richard Maria Werner, Nicolai und seine Freunde über Mendelssohn. 129 Es ist charakteristisch, daß Bretschneider — damals in Lemberg — nach Mendelssohns Tode meint: „Er wird in Abrahams Schoß sitzen und Wasser auf die Proselhtenmacher herabspritzen" (an Nicolai 1. Februar 1786). Mit diesem biblischen Bild ist Mendelssohns edles Wesen trefflich bezeichnet, aus allen Stimmen hört man diese Überzeugung heraus. Wie wir uns gewöhnt haben, die drei Namen Lessing, Mendelssohn und Nicolai und zwar in dieser Reihenfolge zu verbinden, so war es natürlich bei den Zeitgenossen dieser drei Männer auch der Fall. Lessing war dahingegangen, nachdem er längst aus dem Bunde herausgewachsen war, sein Tod war kein so unmittelbarer Verlust für seine Freunde von den Literaturbriefen, weilte er doch son seit vielen Jahren ferne von ihnen. Als aber Mendelssohn starb, da schien Nicolai verwaist, denn Moses schied dahin nach einem langjährigen intimen Verkehre, der ungetrübt bis zum letzten Augenblicke gedauert hatte. Man faßte darum Nicolai als Leidtragenden auf und beeilte sich ihm zu condoliren; so schreibt z. B. Eschenburg am 1. Februar 1786 aus Braunschweig: „Ihr Verlust, mein Bester, hat auch mich nicht wenig gerührt. Ich weiß, wie sehr Sie Mendelssohn liebten, wie sehr Sie an seinem Umgang seit so lange gewöhnt waren; und Freunde von der Art werden uns nicht leicht ersetzt. Unverantwortlich ists, daß ihm I. (Jacobi) durch seine Zudringlichkeit seine letzten Tage verbitterte; wo er sie ihm nicht gar zu den letzten Tagen dadurch gemacht hat. Mich schauderte, das in dem Hamb. Correspondenten zu lesen; und ich bin auf die Schrift selbst . . . äußerst neugierig!" Diese Anspielung ist verständlich genug, man weiß, wie heftig Mendelssohn durch den Streit mit Jacobi über Lessing's Spinozismus ausgeregt wurde, wie er sich durch ihn indirekt den Tod holte. Solcher Anekdoten über Moses giebt es genug. Nicolai sammelte mancherlei davon, wie man ihm überhaupt zugestehen muß, daß er auf alles ein wachsames Auge hatte, was irgendwie für seine Zeit oder für wichtige Persönlichkeiten seiner Tage charakteristisch war. Im ersten Hefte seiner „Anekdoten von König Friedrich II." (Berlin und Stettin, 1788) hat er S. 61—69 nach den Akten mehreres über Mendelssohns Schutzprivilegium, sein Verhältniß zu d'Argens und dem Juden Raphael zusammengetragen, auch findet man dort das Gesuch Mendelssohn's an den König und den ersten Druck der bekannten Begleitworte des Marquis d'Argens: „Hn ^kilosopkis ivauvais eatkoliyuo, suxxlio xliilosoplio mauvais Protestant, äs äovQer!o Privilegs ü. xkilosoxliS wauvais Huik. 11 a äans tout ose! trox 6s plillosopkio, xour Huo 1a raison soit xas 6u eots Ss la äewaiiäö". Im dritten Hefte S. 376—280 erzählt Nicolai nach ungenannter Quelle mehrere sehr ergötzliche Vorfälle aus Mendelssohn's Leben. Auch in Göckingk's Buch „Friedrich Nicolai's Leben und literarischer Nachlaß" sind nicht nur S. 173—201 „Kleine prosaische Aufsätze von Moess Mendelssohn" mitgetheilt, sondern auch S. 145-148 unter den „Einzelnen Ideen" mehrere Mendelssohn-Anekdoten abgedruckt. Der

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