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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 2 · p. Seite 128

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 2
Article
Briefe von, an und über Mendelssohn
Date
1887-01-01
Page
Seite 128 (sequence 20)
Language
German
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Nicolai und seine Freunde über Mendelssohn. Aus Nicolais Nachlaß. Mitgetheilt von Richard Maria Werner in Lemberg. Schon im Jahre 1786 hatte I. C. Beneke, wie er am 26. März dieses Jahres an Nicolai schrieb, den Plan, alles was nach Mendelssohns Tode an biographischen und polemischen Sachen erschienen war, zu sammeln und zu publiciren, aber nur, wenn nicht etwa Nicolai ^) oder Engel demnächst mit einer Biographie herauskämen. Er scheint die Absicht nicht ausgeführt zu haben, vielleicht wegen Nicolais Aufsatz in der Allgemeinen deutschen Bibliothek (65, 624 ff.). Es war begreiflich, das Mendelssohns Tod auf alle Freunde der deutschen Literatur einen tiefen Eindruck machte. Die sympathische Gestalt des Philosophen und Aufklärers hatte sich allgemeiner Hochachtung zu erfreuen, man blickte auf ihn mit einer gewissen Verehrung, welche selbst seine Gegner ihm nicht versagten. Während Nicolai's rauhe, mitunter grobe Polemik unwillkürlich zu ähnlichem Erwidern herausforderte, während er sehr oft für fremde Sünden angegriffen wurde, scheint Mendelssohns ruhigere, gemäßigtere Weise selbst seine Feinde zu bescheidener, ich möchte sagen anerkennenderer Verteidigung genöthigt zu haben. Nicolai reizte, Mendelssohn imponirte; Nicolai fürchtete, Mendelssohn achtete man; auf Nicolais Urtheil war man begierig, auf das Mendelssohns gespannt; jener war der unbeliebte Recensent, der starre Parteimann, dieser der sokratische Weise, der beachtenswertheste Vertreter einer bestimmten Richtung. Während Nicolai gern nergelte, häufig stichelte und witzelte, war Mendelssohns Kritik eingehender, einschneidender vielleicht, schien aber immer berechtigter, durchdachter; Nicolai suchte den Gegner zu vernichten, unmöglich zu machen, Mendelssohn ihn zu widerlegen, vielleicht sogar zu überzeugen. Jener blieb intolerant auf seinem einseitigen Standpunkte, wer nicht für ihn war, war wider ihn, dieser suchte sich auch in die fremde Anschauungsweise hineinzuversetzen, theilte sie nicht, aber bemühte sich sie zu begreifen. Nicolai hat mehr vom Wühler, Mendelssohn vom Agitator. i) Auch Boie wünschte noch später eine Biographie Lessing's und Mendelssohns von Nicolai in der Weise seines Moser zu erhalten.

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