Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2259275-2259313-2259316-2263182--0140-2263219- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ludwig Geiger, Briefe von und an Mendelssohn. 125 söhn seine Milde. In einem Schreiben vom 15. August 1784 sendet er ein (nicht erhaltenes) Schreiben Maurer's, dessen Bedingungen er für ziemlich billig erklärt und von dem er sagt: „Er verzögert und säumet zuweilen, hält aber doch am Ende Wort und piquirt sich ein rechtschaffener Maurer zu sein". Am 14. Dezember 1784 kündigt er an, daß Maurer zwei Bände Manuskript an Hennings' zurückgesendet habe. Der Buchhändler sei empfindlich darüber gewesen, daß man ihm Mangel an Redlichkeit vorgeworfen; diese Empfindlichkeit sei kein schlechtes Zeichen. Er fährt fort: „In unserer Streitsache, die Aufklärung betreffend, heute nicht ein Wort". Am 25. Dezember 1784 meldet Mendelssohn, daß der dritte Band von Hennings' Werk in seinen Händen, nicht in denen des Buchhändlers sei, und bemerkt, daß die Übersetzung aus dem Schwedischen in Berlin wirklich großen Schwierigkeiten begegne, daß andere Buchhändler in dieser Hinsicht wohl nicht besser verfahren wären. „Die Gelehrten müssen das Joch dieser ihrer Tyrannen nun schon in Geduld tragen, bis sie einmal den Much haben, sich in Frehheit zu setzen". In dem obenerwähnten Briefe vom 14. Dezember 1784 wird die „Streitsache die Aufklärung betreffend" berührt. Das bezieht sich auf einen philosophischen Briefwechsel, der durch Mendelssohns Aufsatz: „Über die Frage: was heißt aufklären?" erregt wurde. Der Aufsatz erschien in der Berlinischen Monatsschrift 1784; er ist jetzt abgedruckt in Mendelssohns Schriften III, 399—403. Hennings schrieb darüber am 21. Oktober 1784, Mendelssohn antwortete am 27. November 1784 (nicht am 21. September, wie bei Kayserling S. 537, wo der Brief abgedruckt ist, irrthümlich steht). Hennings replicirte darauf am 3. Dezember 1784. Auf das letztere Schreiben hat Mendelssohn nicht mehr geantwortet und schon aus diesem Grunde ist seine Wiedergabe nicht unbedingt erforderlich; es ist überdies so furchtbar korrigiert und zurechtgestutzt, daß die Herstellung des ursprünglichen Textes sehr schwierig ist. Den erstern Brief gebe ich hier — obwohl er nicht vollständig erhalten zu sein scheint —, da er nothwendig ist zum Verständniß des Mendelssohn'schen Schreibens ist.. Er lautet: Altona 21. Okt. 1784. Vergeben Sie mir, bester Freund, wenn ich zu viel wage, indem ich Ihnen einige Bedenklichkeiten vorlege, welche mir beh Lesung Ihres Aufsatzes: .„Über die Frage: was heißt aufklären?" aufgestoßen sind. Einige Ihrer Äußerungen scheinen meiner Lieblingsmeinung, der Frehheit zu denken, entgegen zu sein und so wie es mir leid sein würde, vom Autoritäten- ^chw'örer ein Ansehen wie das Ihrige gegen mich aufgestellt zu sehen, so schmerzet es mich noch immer, wenn ich zu sehen glaube, daß man dem Menschen sein anerschaffenes Eigenthum, den Gebrauch des Verstandes, schmälern will, durch dessen Verlust alle Frehheit wegfällt, und durch dessen Beibehaltung alle Menschen in eine Reihe gestellt werden, indem alle blos vor den Richterstuhl des Einzigen, des Schöpfers gezogen und dort gerichtet werden können. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutsch!. 9