Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Ludwig Geiger, Briefe von und an Mendelssohn. „Geschichte der Freiheit in England" an und bittet Mendelssohn, den Verlag eines dreibändigen statistisch-ökonomischen Werkes über Schweden, das ohne den Namen des Autors erscheinen solle, zu vermitteln. Er fährt dann fort: „Ich wende mich zu Ihnen mit dem Zutrauen eines Zöglings, zu dem pflegenden Schutzgotte seines Geistes. „Für die Werke, mit denen Sie das Publikum beschenkt haben, haben Sie den wärmsten Antheil meines Dankes. Ihr Jerusalem ist aus dem Feuerstrom geschöpft, in den sich ehemals' meine Seele hineinstürzte; ich schöpfte aber bles Wärme; was Sie herausgenommen, ist ganz Licht. Jtzt ist meine Wärme dahin, ich bin kalt wie Eis, wie einer der seine Frühlingsnächte in einem Beinhause zubringen wollte. „Nur für Empfindungen der Freundschaft und größten Achtung gegen Erscheinungen besserer Genien und edlerer Geister so wie Sie, werde ich in keinem Beinhause erkalten". Mendelssohn antwortet in dem (ungedruckten) Briefe vom 9. Sept. 1783. Er legt ein Schreiben des Berliner Buchhändlers Maurer bei (6. Sept. 1783), in dem dieser den Verlag übernehmen zu wollen erklärt, wenn das Werk in einen Band zusammengedrängt und ganz in deutscher Sprache — die Beilagen und Urkunden also in Übersetzung — erscheinen könnte. Er empfiehlt Maurer als einen jungen Anfänger, mit dem er bei seinen Psalmen und seinem Traktat Jerusalem zufrieden gewesen sei. Er bekämpft das eine Bedenken des Buchhändlers gegen den zu großen Umfang des Werkes, unterstützt aber das andere, nämlich gegen die fremde Sprache und plaidirt für Übersetzung der schwedischen Stücke. Er erklärt sich bereit, auch mit Nicolai über den Verlag zu sprechen, verspricht aber im Voraus nicht sonderlich viel von dessen Willfährigkeit. Auch die folgenden ungedruckten Briefe Mendelssohns beziehen sich auf die ebenerwähnte Vermittlung des Verlags. Der vom 2. Jan. 1784 begleitet einen Probebogen und ein (nicht erhaltenes) Schreiben Maurer's und enthält folgende Bemerkung: „In aller Betrachtung finde ich ihn (zwar Buchhändler bleibt Buchhändler) noch ziemlich traitabel, wenigstens ist besser mit ihm, als mit der Verlagscasse zu thun zu haben, zu der niemand mehr Zutrauen haben will". Ein längeres Schreiben vom 15. März 1784, das sich theilweise auch auf diese Verlagsvermittelung bezieht, ist bei Kayserling, „Mendelssohn, Ungedrucktes und Unbekanntes von ihm und über ihn", Leipzig 1883, S. 25—27 veröffentlicht worden. Auf dieselbe Angelegenheit bezieht sich ein Brief vom 13. Juli 1784. Maurer hatte das Werk nicht gedruckt und hatte für die Verzögerung allerlei Ausflüchte vorgebracht, Mendelssohn hatte ihm Glauben geschenkt, klagt sich seiner Leichtgläubigkeit wegen an und erklärt sich bereit, alle Verbindung mit Maurer abzubrechen, sobald dieser nicht, wie er hoch und theuer versprochen, binnen 24 Stunden ein entschuldigendes Schreiben an Hennings richten werde. Trotz dieser angedrohten Strenge und trotz der alsbald eintreffenden Anweisung von Hennings, das Manuskript zurückzuschicken, bewahrte Mendels-