Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Geiger, Briefe von und an Mendelssohn. 123 die Tempelherren, aber muß man nicht Mörder sehn können, um die Bartholomäus Nacht, um selbst die Widerrufung des Edikts von Nantes zu entschuldigen? In Ansehung der Religionsmeinungen der Tempelherren ist es schwer, etwas zu entscheiden, theils, weil kein Schriftsteller hierin zuverlässig sehn kann, theils, weil, zu den Zeiten dieses Ordens, iede Meinung besser war, als die christliche Lehre, so wie sie damals beschaffen war, welches ieder Geistliche, der die Kirchengeschichte kennet, eingestehet. In Ansehung der Sitten der Tempelherren denke ich, daß so wie man das Aergerniß in Bestrafung der ihnen vorgeworsenen Abscheulichkeiten hätte vermeiden müssen, der moralische Schriftsteller auch die historische Berichtigung derselben mit dem Schleier der Bescheidenheit dekken solle. Wie aber Nikolai in Berlin aus solchen Lastern den Schluß ziehen konnte, daß die Tempelherren die erlittenen Marter und Ausrottung verdienten, begreife ich nicht, indem es übel für die Christen in Berlin und in anderen Städten aussehen m'ögte, wenn seine Schlußfolge gelten solltte. Ueberhaupt so wenig man dem Oorxori NvanAelieo die Laster und Verbrechen zur Last legen muß, welche nnter uns im Schwange gehen, so wenig kann man wohl dem Orden der Tempelherren die Ausschweifungen einzelner Ritter die in England, Frankreich, Deutschland, Preußen verstreut waren, selbst wenn sie solche eingestanden, zur Last legen". Die Hauptstellen unseres Briefes beziehen sich auf die durch Markus Herz übersetzte „Rettung der Juden" von Manasseh ben Israel und die Vorrede Mendelssohns zu derselben (vgl. Mendelssohns Schriften III, 179-202 und Kayserling, Moses Mendelssohn S. 354). — Der letzte Absatz ist gegen Nicolais Schrift „Versuch über die Beschuldigungen, welche dem Tempelherrnorden gemacht werden und über dessen Geheimniß; nebst einem Anhange über das Entstehen der Freimaurergesellschaft", 2 Theile, Berlin und Stettin 1782, gerichtet. Gegen den ersten Theil war auch Herder im „Deutschen Merkur" 1782, März, April aufgetreten und Nicolai verteidigte sich in seinem zweiten Theil gegen die Angriffe des Genannten. Die Ansichten, welche Hennings in diesem Briefe äußerte, wurden von ihm viel offener und rücksichtsloser in einem seiner Briefe an Elise Reimarus (18. April 1782) ausgesprochen. Hennings schreibt nämlich: „Mendelssohn mag es mir verzeihen, aber seine Schrift ist mir lächerlich vorgekommen, denn wenn ich mir den ersten besten Manschet denke und in ihm das personifizirte Bild des ganzen jüdischen Nationalgeistes, den ich denn bei vielen Vorfällen habe kennen lernen, so finde ich in Allem, was Mendelssohn sagt, nichts mehr Passendes für uns, als wenn er für den Mond geschrieben hätte. Selbst die Art wie sich die Juden zu des Kaisers Kodons amis schicken beweiset, was ich sage, und meine Erfahrung in dem Vorfalle des Rabbiners in Altona sowohl in seinem Verfahren gegen Marcus als gegen Mendelssohn selbst und das Betragen der Juden in diesem Vorfalle zeigt eben dies". In der Correspondenz folgt nun ein Schreiben Hennings', 23. Aug. 1783. Hennings kündigt in demselben die Übersendung seiner Schrift: