Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2259275-2259313-2259316-2263182--0136-2263215- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ludwig Geiger, Briefe von und an Mendelssohn. 121 daß die Juden nur diese Gesinnung des Schwächern und nicht allgemeine Menschenliebe hatten,' kann man daraus beurtheilen, daß es ungereimt und selbst gotteslästerlich gewesen sein würde, für die siegreichen Waffen Alexanders zu opfern, da dieser Eroberer Judäa mit Gefahr drohte und sein ganzes Unternehmen gegen die Menschlichkeit war, gegen dessen Fortgang jeder fromme Mann beten mußte. Eben so unzulässig waren die Opfer für die römischen Kaiser. Die Juden sagten nicht, wir opfern dem einigen Gotte für den Kaiser, sie sagten, wir verehren den Kaiser mit Opfern, und bekanntlich verlangten die Kaiser nicht, daß man in den Tempeln für sie, sondern daß man auf ihren Altären ihnen als Göttern opfern sollte. Dieses scheinen, nach dem Manasseh, die Juden aus politischer Klugheit eingestanden zu haben, so wie Sie in Ihrer Schrift Ihrem würklichen großen Friedrich, der doch die Juden aus Westpreußen vertrieb, Ihre gerechte Bewunderung zum Opfer bringen, damit er über seinen großen Rival nicht eifersüchtig werde. Solche Schritte, die, nach ihrer Moralität, mehr oder weniger zulässig sind, müssen an ihre Stelle beurtheilt werden; sie können aber beh Beweisen der Duldung und der Verträglichkeit nicht in Betrachtung gezogen werden. „Und wozu brauchen wir hier des Judenthums und des Christenthums? Wir haben Lehren, die allen Religionen gemein sind, und die die gesunde Vernunft in allen Seiten anerkennen muß. Jemehr wir diese Gründe oder Lehren ausbreiten, desto sicherer befestigen wir die Duldung, welche ohne diese allgemeine Ausklärung immer in Gefahr bleibt, von dem Gifte der Parteilichkeit angesteckt zu werden und mehr Thorheit als Wahrheit zu beweisen. Könnten wir uns, wie denn das das Gebet der Juden ist, alle in der Anbetung des einigen wahren Gottes vereinigen und dann, welches weder Christen noch Juden gethan haben, iedem die Mittel überlassen, durch die er zu der Anbetung Gottes geführet wird, so würden wir unseren Vorzug darinnen suchen, Gott mit der größten Ehrfurcht zu dienen, d. h. seine Güte und Liebe nachzuahmen und nicht im Stolze unserer Meinungen uns besser dünken, als andere, welche im Drucke der Verfolgung durch ihr Leiden Gott besser ehren, als ihre Verfolger. „In unseren Zeiten sind die Juden, ob sie gleich in einer Art Dienstbarkeit leben, nicht duldsamer und verträglicher geworden, als in der Wüste und in Palästina. Sie können freilich ihren Charakter nicht deutlich zeigen, aber was man von ihnen stehet, ist hinreichend, ihn zu errathen, ohne sich zu betriegen. Sie empfehlen sich also so wenig itzt, als in ihrer Geschichte, durch sich selbst, sondern thun es nur durch vie allgemeinen Grundsätze der Menschlichkeit, welche jedoch ihnen selbst, mehr als anderen, gepredigt werden müssen. So haben Sie auch bey Ihrer Bibelübersetzung die Barbarei der Juden erfahren, und wenn man hier einige der angesehensten Juden über die Geschichte des Markus reden höret, so sollte man glauben, daß dem Rabbi in Altona großes Unrecht geschehen wäre, weil die Regierung ihn verhindert hat, seinen Gegner zu Tode zu peinigen. Ihr Herr Schwager Gugenheim wird Ihnen geschrieben haben, wie viele Mühe es ihm gekostet hat, hier aufgenommen zu werden, und die Schwierigkeit rührte blos von den Juden her, welche aus unüberlegtem Handels-Neide sich jedes-