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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 2 · p. Seite 119

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 2
Article
Briefe von, an und über Mendelssohn
Date
1887-01-01
Page
Seite 119 (sequence 11)
Language
German
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Ludwig Geiger, Briefe von und an Mendelssohn. 119 ist, hier folgen, da es unfern Gegenstand nahe angeht. Nur der Schluß, der wiederum die Beurtheilung einer Hennings'schen Schrift in der A. D. B. betrifft, ist ausgelassen. Der Text des Briefes, der uns nur in einer Abschrift vorliegt, ist von Hennings stark korrigirt, ich habe diese Korrekturen jedoch aus dem oben angeführten Grunde unbeachtet gelassen, und den ursprünglichen Text gegeben. Hennings schreibt also (27. April 1782): „Ihr Herr Schwager hat mir Ihr Scherflein zur Toleranz-Ausbreitung gebracht und ich danke Ihnen für die Übersendung Ihrer Schrift. Sie wissen schon, wie sehr meine Gesinnungen mit den Ihrigen übereinstimmen und wie sehr ich wenigstens wünsche, daß Menschen einer uneingeschränkten Toleranz fähig sehn mögten. Da die Erfahrung aber zeigt, wie wenig sie es sind, wie sie sich sogar beleidiget glauben, wenn man allgemeine Verträglichkeit anräth, wie sie den anfeinden, der das Joch erleichtern mögte, das, so sehr ist das Wohl der Menschheit in einander verwebt, nicht einzelne Menschen drücken kann, ohne der ganzen Menschheit zur Last zu fallen, so muß man es fast für eine Thorheit halten, über Bildung zu reden und zu schreiben und ich werde Sie glücklich schätzen, wenn Ihr bereits schon bekannter Geist und Charakter sie für das allgemeine Schicksahl der Friedenstifter schützen kann, von beyden Partheyen gemishandelt zu werden. Ich höre, daß der gelehrte Herr Wessely diesem Schicksahle nicht entgangen, sondern, seiner Worte des Friedens halben, von seiner eigenen Nation angefeindet ist. Wegen der Ausstoßung aus der Gemeine oder wegen jeder Art ungesellschaftlicher Behandlung der Religionsmeinungen halben, ist es mir lieb gewesen, zu sehen, daß ich in meiner Schrift über die Duldung völlig Ihrer Meinung zugethan gewesen bin und das Verfahren der ersten Christen in dieser Hinsicht für eine bloße Polizehverordnung erkläret habe. So ist es mir auch lieb gewesen zu sehen, daß in den göttingischen Anzeigen des Herrn Dohms wohlgedachte und wohlgeschriebene Schrift ebenso unduldend. obgleich glimpflicher behandelt ist, als meine Streitsache und daß also nicht ich sondern die Denkungsart des Recensenten und der Gött. gelehrten Gesellschaft überhaupt, ein solches herbes Urtheil veranlasset hat. Weit weniger als Ihre Vorrede hat mich das Sendschreiben des braven Manassehs interessirt und wie man von Milton sagt, daß er fast nie Schriftsteller anführte, und doch immer gründlicher und gelehrter war, als seine Zeitgenossen, so könnte man auch von Ihnen sagen, daß Sie viel stärker sind, wenn Sie aus eigenen Quellen schöpfen als wenn Sie fremde Hülfsmittel gebrauchen. Indessen ist Manassehs Schreiben sehr passend zu seinem Zwecke, den Lordprotector in England zum Vortheil der Juden zu gewinnen, aber Ihrem Zwecke, die Urtheilskraft der Menschen auf Wahrheit und Gerechtigkeit aufmerksam zu machen, scheint es mir nicht angemessen, theils weil die Vorwürfe, welche man itzt den Juden macht, von anderer Beschaffenheit sind, als in vorigen Zeiten, wie Sie mir erlauben werden, nachher freymüthig anzuführen, theils weil ich glaube, daß man die Sache der Vernunft und des uneingeschränkten Willens Gottes damit verdirbt, wenn man von einzelnen Religionspartheien redet.

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