Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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116 Ludwig Geiger, Briefe von und an Mendelssohn. in den Augen des Publicums schaden. Jedoch künftig soll, wie der Verleger verspricht, der Tadel noch mehr gemildert werden . . . In der handschriftlichen Correspondenz folgen auf diesen Brief zwei Antworten Hennings' vom 28. März und 5. Mai 1780. Aus jedem der beiden Briese theile ich je eine längere charakteristische Stelle mit in ihrer ursprünglichen Gestalt, nicht in der später von Hennings zurechtgemachten. Hennings hat nämlich diese und andere Briefschaften sorgfältig gesammelt, abschreiben lassen und zur Herausgabe vorbereitet. Dabei schien es ihm jedoch räthlich, in den Briefen seiner Correspondenten Mancherlei zu streichen, in seinen eigenen derartige Aenderungen vorzunehmen,' daß Wortlaut und Sinn vieler Stellen von dem ursprünglichen wesentlich verschieden wurden. Ein solches Verfahren, das der Verfasser nach seinem Belieben einschlagen konnte, war dem Herausgeber selbstverständlich nicht gestattet; er mußte vielmehr die Briefe in der Gestalt wiedergeben, in der sie zuerst geschrieben und abgeschickt worden waren. Die Stelle des ersten Briefes lautet folgendermaßen: „Daß ich den Olavides fo schreiben mußte (die harten Hexameter ausgenommen) als er da ist, wenn ich wollte, daß er gelesen werden sollte, daß ich meinen Zweck erreicht habe und das Publicum meine Gesinnungen gütig ausnahm, als Schönheider (ein Kopenhagener Recensent), auftrat und mit dem Kothe, den er dazwischen warf, die Leser irre machte, konnten freilich die Berliner Recensenten nicht wissen. Es ist natürlich, daß jeder in seinem Gesichtspunkte oder nach allgemeiner Theorie urtheilet. Wenn ich aus der Ruhe der Meditation schriebe, dann würde ein solches Urtheil völlig richtig seyn und daß ich in einem Kreise von Dependenzen und Verwickelungen hingerissen werde, konnte, wie gesagt, Ihr Recensente nicht wissen. Ueberhaupt, lieber Mendelssohn, ist meine Philosophie, insoferne sie speculativisch ist, so aus einem Gewirre von Geschäften und Zerstreuungen herausgerissen, daß man es mir vergeben kann, wenn keine völlige Reinheit und Ordnung in meinen Schriften herrschet. Sagt man, besser nicht geschrieben, so sagt man eine Pedantereh. Genug es würkt, und das ist mir alles. Es geht mit der Wahrheit, wie mit dem Streicheln eines besänftigenden Weibes; es beruhiget und dämpfet, wenn es gleich keine ciceronianische Rede ist und ich glaube sowohl ich als das Publicum haben durch den Olavides und den Dienst, den mir Schönheider bei dieser Gelegenheit gethan hat, in Festsetzung einiger Begriffe und in Beurtheilung meiner Grundsätze gewonnen". Die Stelle des zweiten Briefes lautet: „Noch ein sonderbarer Vorwurf, den man mir macht, ist der, daß ich in Dänemark über Duldung schrieb, wo nie Duldung bezweifelt ist, wo die Reformation, sowie das Christenthum, ohne Verfolgung, ohne Zwang, eingeführt worden ist, wo bey Einziehung der Klöster Mönche und Nonnen ihre Einkünfte behielten und einige Provinzen einstimmig die Kirchenverbesserung verlangten. So spricht man, aber wer sagt, daß ich für Dänemark, daß ich für irgend einen Staat in der Welt schrieb? Wer