Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2259275-2259313-2259316-2263182--0128-2263207- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ludwig Geiger, Briese von und an Mendelssohn. 113 Sie verheirathet? Und wie glücklich? Gilt die Stelle in der Einleitung Ihrer Schrift Sie selbst, oder reden Sie daselbst in erdichtetem Namen? Dergleichen Umständlichkeiten sollte ich doch wenigstens genauer wissen, als jeder andere Leser. Vormals waren Sie in Ihren Briefen vertraulicher. Vielleicht, weil Sie damals mit sich selbst und mit der Welt weniger zufrieden waren. Wenn dieses die Ursache ist so mochte ich sie gern aus Ihrer eigenen Feder lesen. Der vorstehende Brief, der, wie manche der folgenden nur abschriftlich erhalten ist, bezieht sich auf Hennings' Schrift „Ueber die Vernunft", welche in Berlin 1778 veröffentlicht wurde. Die Stelle, aus welche Mendelssohn anspielt, vermag ich nicht nachzuweisen. Hennings heirathete übrigens erst 1780. In einem folgenden Briefe (8. Mai 1778) sendet Mendelssohn 6 Ex. von Hennings Schrift: „Ueber die Vernunft" und entschuldigt die Druckfehler derselben damit, daß er, da der Druck auswärts erfolgt sei, für größere Correctheit nicht habe sorgen können. Die folgenden Briefe Mendelssohns vom 29. Juni 1779, 13. Juli 1779 sind bei Kahserling S. 521 bis 526 gedruckt. Von dem letztern Briefe fehlt ein großes Stück, das aber in der Copie so geschickt durchgestrichen ist, daß es nicht mehr wörtlich wiedergegeben werden kann. Es handelt über eine von Hennings gewünschte Recension seiner unterdeß erschienenen Schrift „Olavides" in der Nicolai'schen Allg. d. Bibl., über einzelne Weisungen, die im Namen des Autors dem Recensenten gegeben werden sollen und dergl. Der Brief vom 29. Juli 1779 ist gedruckt bei Kahserling S. 525 bis 527. Ungedruckt geblieben dagegen ist folgendes Schreiben Mendelsohns, angedeutet in dem Briefe an Elise Reimarus, Kays., S. 538. 2. <^ Berlin, 20. Sept. 1779.. Lassen Sie uns wider die Vorurtheile selbst mit keinem Vorurtheile eingenommen sehn! Ich glaube, unter gewissen Umständen, seh ihre Unentbehrlichkeit nicht in Zweifel zu ziehen. Sie kommen mir vor wie die Rechnungsfehler. Es muß uns lieb sehn, wenn unser Rechnungsführer einen Calculationsfehler, der uns empfindlichen Schaden verursacht hätte, durch einen entgegengesetzten Fehler zum Theil wieder gutgemacht hat, ob es gleich dem Rechnungsführer selbst weder zur Empfehlung, noch zur Entschuldigung, dienet, daß seine Jrrthümer zufälligerweise gegeneinander aufgegangen sind. Eine ähnliche Beschaffenheit hat es mit deroVorurtheilen. Sie können auf eine Zeitlang den Schaden wieder gutmachen, den die Gesellschaft von entgegengesetzten Vorurtheilen haben würde, und jene sind so lange unentbehrlich, so lange wir zu schwach sind, diese auszurotten. Indessen wird leider das menschliche Geschlecht dadurch immer tiefer in die Irre und Wirre geführt, so daß es in den mehresten Fällen vielleicht besser wäre Schaden leiden als ihn durch Vorurtheile verhüten.