Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Ludwig Geiger, Briefe von und an Mendelssohn. ihm. Er sah ihn 1776 in Dresden wieder. In dem Jahrzehnt bis zu Mendelsohn's Tode scheint eine weitere persönliche Begegnung beider Männer nicht stattgefunden zu haben; ein reger brieflicher Verkehr entschädigte sie für diesen Verlust. Die ersten ausführlichen Briefe Mendelssohn's sind sehr herzlich; sie bestärken den jüngern Freund in seiner Neigung zur Philosophie, sie warnen ihn vor melancholischen Grillen und suchen die persönliche Verbindung zu befestigen. Die große Lücke in der Correspondenz von 1775 bis 1779 läßt sich durch die Handschriften theilweise ausfüllen. Zunächst durch folgenden an Hennings gerichteten Brief: 1. 24. Jan. 1778. Ich habe vor einigen Posttagen Ihr Mst. „über die Vernunft" aus Hamburg, wahrscheinlicher Weise aus den Händen des sehr verehrungswürdigen Mannes, des Herrn Or. Reimarus, erhalten und mit Vergnügen bey dieser schönen Erstgeburt Ihres Geistes die Pathenstelle übernommen. Es ist ein Wort zu seiner Zeit geredet, denn meines Erachtens hat die Vernunft noch nie so sehr einer Apologie bedurft, als in diesem philosophischen Jahrhundert. Indessen ist es nicht möglich gewesen, sie bey Nikolai drucken zu lassen. Der Mann ist mit Verlagsschriften so sehr überhäuft, daß er auf Ostern gar nichts mehr übernehmen, und selbst auf Michaelis nichts mit Gewisheit versprechen konnte. Außer der Allg. Bibl., die ihm den Kopf warm macht, verbessert und vermehret er seine Beschreibung von Berlin, läßt Bunkels Leben, Eberhards Fortsetzung der Apologie, Engels Einleitung in die schöne Wissenschaften, und noch, wer weiß wie viel, antitrinitarische Sächelchen drucken, die für ehrliche, rechtgläubige Schriften, wie die Ihrige, beynahe kein Papier übrig lassen. Im Grunde mögen Sie vielleicht Nikolai zum Verleger vorgeschlagen haben, um Ihrem Werke den Geruch der Ketzerey zu verschaffen, der, wie man sagt, den größten Haufen der Leser so sehr locken soll, und in diesem Falle hätte ich wohl Unrecht gethan, mich ohne Anfrage an einen andern Verleger zu wenden, an den harmlosen Voß, den Verleger der königl. Akademie, der die Theologen ungeärgert läßt. — Diese Ueberlegung kommt ein wenig zu spät. Voß hat den Verlag bereits übernommen, und liefert die Abhandlung in dem Formate meiner Philos. Schriften, noch zur Ostermesse fertig, und ich hoffe, Leser die einen feinen Geruch haben, werden doch wohl merken, wes Geistes Kind der seh, der der Vernunft und der Einfalt homerischer Sittlichkeit diese Lobrede halten konnte. Nikolai wird Ihnen indessen selbst schreiben, und die Ursachen angeben, warum er den Verlag nicht hat annehmen können. Warum schreiben Sie mir aber so wenig von Ihnen selbst, von Ihrer Lebensart, Ihrem Umgange, Ihrer Beschäftigung u. s. w.? Sind