Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 1
- Article
- Juden und Mongolen 1241
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 3)
- Language
- German
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Miscellen. 101 Bergen eingeschlossenen zehn Stämme gehalten^). Ein damals geschriebener Brief eines ungarischen Bischofs an den von Paris ') sucht nähern Zusammenhang zwischen Juden und Mongolen. Der Bischof berichtet von Erkundigungen, welche er von gefangenen Mongolen eingezogen habe. Von diesen habe er erfahren, ihr Land sei unweit eines Flusses Egog, „und ich glaube, daß jenes Volk Gog und Magog sei." „Ich fragte nach ihrem Glauben, und ich erfuhr, um kurz zu sein, daß sie nichts glauben, und sie erzählten mir, daß sie ausgegangen seien, die Welt zu erobern. Sie haben die Schrift der Juden angenommen, denn früher hatten sie keine eigenen Schriftlichen. Ich fragte, wer sie jene Schrift gelehrt hätte, und erfuhr, das seien bleiche Männer, die viel fasteten und lange Gewänder trügen und Niemandem etwas zu Leide thäten; und aus vielen Umständen über jene Männer, die man mir erzählte, die mit dem Aberglauben der Sadducäer und Pharisäer übereinstimmten, schloß ich, daß die Lehrer die Sadducäer und Pharisäer seien." Man sieht, es ist eine Reihe von sehr verschiedenen Angaben, die einen Zusammenhang zwischen Juden und Mongolen herzustellen suchen. Und sie beruhen auf sehr verschiedener Wurzel. Was zunächst die seltsame Angabe betrifft, die Juden hätten den König der Mongolen den Sohn Davids genannt, so geht dieselbe, wie Zarncke gezeigt hat^), auf einen Schreibfehler zurück. Im Jahre 1221 verbreitete der päbstliche Legat Jakob von Vitry, um den im Lager bei Damiette befindlichen Kreuzfahrern die Unterstützung des Abendlandes zu verschaffen, in vielen Exemplaren einen Bericht über die glänzenden Siege eines Davids, König der Inder, den man zu einem Urenkel des aus dem 12. Jahrhundert bekannten Priesters Johannes machte. Der Bericht erzählt ziemlich getreu die Thaten der Mongolen seit etwa 1218; an die Stelle Dschingis-Khans ist David rex luäorum getreten. In zwei Exemplare jenes Berichtes aber, dasjenige, welches an die Universität Paris und dasjenige, welches an den Herzog Leopold von Oesterreich addressirt war, hatte sich ein Schreibfehler eingeschlichen: statt rex Inäornin hieß David rex luäeoi-um. So kam und zwar scheinbar in bestbeglaubigter Form die Nachricht von einem heranrückenden König der Juden ins Abendland. Ihrer mochte man sich 1241 wieder erinnern. Nun aber wird jener Brief des ungarischen Bischofs Veranlassung gegeben haben, die herannahenden Mongolen mit den von Alexander d. Gr. hinter den Kaspischen Thoren eingeschlossenen Völkern zu identificiren. Die Sage von Gog und Magog, die zu diesen Völkern gehören, kennt schon Josephus^); sie ist später, wie hinlänglich bekannt, weiterund weiter 2) Kiekeri 6esta Levoneus. ecelesias IV. 20, 83. XXV, 310: alü vero assoredant eos (Lartarinos ) «suclaeos illos esse Huos kerrmt ad ^lexanäro NaZvo intra Oaspios movtes Huonäani Luisse ivolusos. 2) Bei Usttd.?aris, ^ääitauz. eä. I.uarÄ III, 75. 2) Abhandlungen der sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften XIX, 22 ff. 4) LeU. ^uäaiouiu VII, 7, 4.