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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 100

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Juden und Mongolen 1241
Date
1887-01-01
Page
Seite 100 (sequence 2)
Language
German
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100 Miscellen. Scheiden und Messer ohne Griffe. Darauf sei das strengste Strafgericht über die verräterischen Juden verhängt worden. Daß die Erzählung, wie sie hier vorliegt, einen sagenhaften Character trägt, erkennt man sofort. Wie es ihr an jeder genauern Bestimmung von Zeit und Oertlichkeit fehlt, so enthält sie innerlich durchaus unwahrscheinliche Züge. Der Gedanke, den Hunderttausenden herannahender Mongolen durch dreißig Fässer mit Schwertern und Messern eine wirksame Unterstützung zu bringen, ist ebenso thöricht, wie der andere, den zu solchem Verrath entschlossenen zuzutrauen, daß sie, um Zoll zu sparen, sich der so nahe liegenden Gefahr der Entdeckung ihres Vorhabens ausgesetzt hätten. Und das Leitmotiv der Sage kehrt in der mittelalterlichen Historiographie mehrfach wieder: so soll, um nur zwei Beispiele aus dem 11. Jahrhundert anzuführen, unter Heinrich II. Poppo von Trier eine feindliche Burg dadurch in seine Gewalt gebracht haben, daß er dreißig angeblich mit Wein gefüllte Stückfässer, in denen ebensoviel vollständig gerüstete Reisige und die Waffen für die sechzig Träger der Fässer verborgen waren, in dieselbe einschmuggelte i); und in ganz ähnlicher Weise soll unter Heinrich III. der Patriarch Poppo von Aquileja in vierzig „äolii ivSevtes" schwergerüstete Ritter gesteckt und mit ihrer Hilfe, da sie um Mitternacht ihr unbequemes Lager verließen, das widerspenstige Grado eingenommen haben 2). Sind also die Einzelheiten des Berichtes von Matthaeus Paris durchaus unglaubwürdig, wie sie denn auch nirgends irgendwelche Bestätigung erhalten, so steht es doch etwas anders um die Motivirung desselben. Daß von den Juden Hoffnungen an das Herannahen der Mongolen geknüpft seien, wird nämlich 1241 nicht zum ersten Male berichtet. Schon zum Jahre 1222 erzählen die Annalen von Kloster Marbachs) von allerhand Gerüchten, die sich an die Kunde von dem ersten Einbruch der Mongolen in Europa knüpften. Man behauptete, sie wollten nach Köln ziehen, um die Leiber der heiligen drei Könige zu holen, die aus ihrem Volk hervorgegangen seien. „Eins aber wissen wir", fährt der Annalist fort, „daß das Volk der Juden bei dieser Kunde von ungeheurer Freude ergriffen wurde und sich lebhaft beglückwünschte, indem es hoffte, daß seine zukünftige Freiheit hieraus erstehen würde. Daher nannten sie auch den König jener Menge den Sohn Davids" ^). Aus dem Jahre 1241 sodann haben wir weitere Nachrichten. Richer vonSens erzählt wie Matthaeus Paris, Viele hätten damals die Mongolen für die von Alexander d. Gr. einst in den Kaspischen ') Hirsch, Jahrb. Heinrichs II, Bd. III, 30 f. 2) rraliLlatio 8. ^.va.8tasiae osp. 4. 5., 88. IX, 225. 2) ^vv. Atardae. 1222, Nov. 6erm. bist. 88. XVII, 174. H Ilnura tauten seiivms, Hiioä ^lläaeoruiQ Zeus super ocxZeiQ rumore ivZenti laetitia exultabant et vehementer sidi apxlauäedant, neseio yruÄ 6e kutura lidertate sus. ex koo provsnire sidi speraritek. Ilnäe et reZew illivs naultituäirlis Mium vaviä apxeUadant.

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