Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 1
- Article
- Juden und Mongolen 1241
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 4)
- Language
- German
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102 Miscellen. ausgebildet worden. Aber erst im Ausgang des 12. Jahrhunderts, soviel ich sehe, hat man auch die verlorenen zehn Stämme der Juden ihnen zugesellt^): mit Gog und Magog, mit Henoch und Elias sollten sie ausziehen als Vorläufer der letzten Tage und des jüngsten Gerichts. An sie zu denken lag in jenen Kreisen nahe, welche nach dem Zeugniß eines Zeitgenossen ^) in den herannahenden Mongolen die Borboten des Antichrist erkannten. Die Juden selbst haben natürlich die unreinen Völker des Verderbens Gog und Magog und die verlorenen zehn Stämme stets auseinander gehalten. Von jenen weiß, wie einst Josephus, so im 12. Jahrhundert R. David Kimchi zu erzählen^); diese suchte man im Lande Paras^). Wenn die Juden dennoch, wie wir den übereinstimmenden Zeugnissen der angeführten Chronisten glauben dürfen, beim Einbruch des Mongolenschreckens auf Befreiung vom Druck der Gegenwart hofften, so knüpft das an noch andere Erwägungen an. Mit dem Jahre 1240 fiel das Jahr 5000 der jüdischen Zeitrechnung zusammen. Wir wissen, daß man mit dem Ausgang dieses Jahrtausends die Ankunft des Messias erwartete 5). Das in Frankreich entstandene Buch Daath Sekenim, enthält die Weissagung, daß das edomitische Exil mit dem Ende des fünften Jahrtausends „bald in unseren Tagen" aufhören werdeund in einer Darmstädter Handschrift ist einer ausführlichen Schilderung der der Ankunft des Messias vorangehenden Kämpfe die Prophezeihung 7) hinzugefügt: „es wird nicht das fünfte Jahrtausend zu Ende gehen, bevor der Messiaskönig kommt; seine Tage werden dann sein das Ende des fünften Jahrtausends und das ganze sechste." Wie hätte man dieser Weissagungen nicht gedenken sollen, als eben um die Wende des fünften Jahrtausends die Mongolenfluth die christlich abendländische Welt in ihren Grundvesten erschütterte! ') Zuerst, so viel ich sehe, Gottfried von Viterbo im Pantheon (^istorius 83.11, 227). Die von Weißmann zu Lamprechts Alexander II, 469, von Bogelstein, ^.Änotationes «znaeÄarQ ex litckeris orisntalinin petitae kadulas Hnas äs ^Isxanäro UaAno eiroum5sruntur (Breslau 1868) S. 27 ff. und von Bieling, Zu den Sagen von Gog und Magog (Verl. 1882), S. 22 angeführten Zeugnisse sind jünger als die in diesem Zusammenhang bisher wenig beachtete Stelle Gottfrieds. 2)?Q0iu. spalar. Üist. Lalonitana eap. 38: tuno litterati pleriyns viri vetsres sorntati soriptnras oonioiedant) maxims ex äiotäs NetnoÄii mart^ris (Tartaros) köre das Mas Zentes, quae praeeeäere äederenb antienristi eventum. 2) Vergl. Beer, Zeitschr. d. deutsch-morgenländifchen Gesellschaft IX, 785 f. H Vergl. Wolff, Gesch. der Mongolen, S. 275; Oppert, Der Presbyter Johannes, S. 19 ff. s) Vergl. Zunz, Gesammelte Schriften III, 227. «) Vergl. Zunz, Zur Gesch. und Literatur S. 87. Anm. a. H OoS. or. v. 25 der Großherz. Hofbibl. zu Darmstadt k. 13 d. oo?. 2. Mir freundlichst mitgetheilt von Herrn M. Stern Hierselbst.