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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 93

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte der Juden Deutschlands im frühern Mittelalter
Date
1887-01-01
Page
Seite 93 (sequence 29)
Language
German
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R. Hoeniger, Zur Geschichte der Juden Deutschlands im frühern Mittelalter. 93 zurücktritt. In den Hansastädten blieb bezeichnender Weise für sie kein Raum. Ueberhaupt ist die Wendung „Städtegrttndung" irreführend. Die Städte haben sich ganz allmälig aus unscheinbaren Verhältnissen heraus entwickelt. Auf genaue nach Jahr und Tag bestimmte Daten, die im Allgemeinen fehlen, kommt es also gar nicht an. Man wird sagen dürfen, daß in den Römerstädten am Rhein und an der Donau die Ansiedelung der Juden bis in die Zeit der römischen Herrschaft zurückreicht, wenn diese Thatsache auch nur für Köln urkundlich beglaubigt ist. Bon den Anfängen des städtischen Rechts- und Versassungslebens wissen wir überhaupt so gut wie nichts. Daß sich für eine Mitwirkung der Juden nur Vermuthungen und nicht bestimmte Thatsachen anführen lassen, darf also nicht Wunder nehmen. Aber wenn wir sehen, wie bei dem ersten selbständigen Eingreifen einer deutschen Stadt in das politische Leben, bei der Erhebung von Worms für Heinrich IV. nach Ausweis des kaiserlichen Privilegs von 1074 der Juden an bevorzugter Stelle gedacht wird'), daß ferner das städtische Rathhaus Kölns, der mächtigsten deutschen Commune des früheren Mittelalters, im Judenviertel liegt, so sind das Momente, die in nicht mißzuverstehender Weise darauf hindeuten, daß die Juden bei der Grundlegung zum Ausbau communaler Bildungen nicht völlig unbetheiligt geblieben sind. Nach alledem darf man wohl die Zweifel fallen lassen, die oben bezüglich der als 5uäei bezeichneten ma^iZtri olvium erhoben sind. Der vielgenannte LekekerwZ ^uäen8 erscheint zuerst ^) in der Reihe der neben den ma^istri elvwm genannten alil eives, dann mehrfach als einfaches Mitglied dieser Communalbehörde. Erst in seiner leitenden Stellung als Bürgermeister heißt es mit Bezug auf ihn: yui ^uäeus kuit. Alles spricht dafür, daß seine Tause erst jetzt erfolgt ist. Die buntgemischte Einwohnerschaft des großen Verkehrsplatzes war auf dem besten Wege zu einer einheitlichen Bevölkerung zu verschmelzen. Alle übrigen fremden Elemente erscheinen in der Folge thatsächlich resorbirt; für die Juden ist der gleiche Abschluß der EntWickelung nur in vereinzelten Fällen eingetreten. Männer wie Eckebert und sein Sohn Fordolf mögen nach Lossagung vom jüdischen Bekenntnis ihre vollberechtigte Stellung dauernd gewahrt haben. Das Kölner Patriziergeschlecht der „Judden" ist Beweis dafür, daß die jüdische Abstammung eine vollständige Assimilirung nicht verhinderte. Gerade in derselben Zeit, in welcher die ersten Bedrückungen der Juden zu Tage treten, häufen sich in Köln die ganz zufällig erhaltenen Nachrichten von Uebertritten einzelner Juden zum Christenthum. Ich nehme also, wie schon oben angedeutet wurde, an, daß in derselben Zeit, in welcher die Gegentendenzen einer Assimilirung des jüdischen Elementes sich wirksam geltend zu machen begannen, ein Bruchtheil der Juden und zwar solcher, die in ihrer socialen Stellung und in ihren gesammten Lebensinteressen 2) (üoä. äipl. Noenoiraneof. e6. Lönmer S. 13. 2) S. oben S. 71 Anm. 1.

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