Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Juden Deutschlands im frühern Mittelalter
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 23)
- Language
- German
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R. Hoeniger, Zur Geschichte der Juden Deutschlands im srühern Mittelalter. 87 Ich habe den Eindruck, daß ursprünglich diese Darlehnsgeschäfte ähnlich, wie die monteZ xlstatiZ am Ausgang des Mittelalters, im Sinne einer Wohlthätigkeitsanstalt gedacht waren und im allgemeinen auch dementsprechend wirkten. Das schließt den Mißbrauch im Einzelfalle in keiner Weise aus. Aber wenn in jener Zeit Ausleihegeschäfte von anderer Seite nicht nachzuweisen sind, so liegt doch die Vermuthung sehr nahe, daß eine lediglich auf Gewinn abzielende Geschäftsübung neben der wesentlich mehr von Rücksichten uneigennütziger Hilfeleistung bestimmten Thätigkeit der Klöster keinen Raum fand. Nach den bisherigen Erörterungen ist diese Frage allerdings noch nicht spruchreif, sie fordert jedenfalls dringend eine selbstständige Untersuchung. Aus Lamberts Erzählung erfahren wir übrigens noch eine weitere bemerkenswerte Thatsache. Jenem Geldmenschen Robert war inzwischen als Abt von Bamberg ein Vertreter der kirchlichen Reformpartei gefolgt. ^.6 euni8 inSi-essum oivves xi'0tiim8 fratres, yuo3 prior ille addas suis, koe est mereatoriae at^us usurariae arti8 äiseiplinis iustituerat, et huasi W08 xater in vitam uiore^ue suos pe^Lkus, nt äleltur, ire äoeuerat, tamMÄin iolia <^uae veuto raxtautur ÄLAiAeruut >). Im Anschluß an das Eindringen der Reformpartei in Saalfeld erzählt Lambert weiter, wie der Schreck in die Klöster gefahren sei und wie schaarenweise die Mönche alter Observanz aus den Klostermauern gewichen wären Demnach war es die Klosterreform, welche dem kirchlichen Zinsverbot in den deutschen Klöstern Geltung verschaffte und damit ihr Ausleihegeschäft lahm legte. Um das Jahr 1300 ist in Kolmar eine Beschreibung des Elsaß verfaßt worden. Der Verfasser stellt in derselben die Zustände der alten Zeit denen seiner Gegenwart gegenüber, um an einigen drastischen Beispielen die Veränderungen zu kennzeichnen, welche sich in den letzten hundert Jahren vollzogen hatten. Er erzählt unter anderm, daß in jener alten Zeit die Aebte mit den Grundbesitzern, die Cleriker mit den kleinen Leuten Pfandgeschäfte gemacht hätten, ohne zu glauben, daß sie eine Sünde begingen -^). Es ist ein interessantes Zeugniß dafür, daß die Erinnerung an die gewerbsmäßige Ausübung von Darlehensgeschäften seitens der Klöster noch in einer Zeit lebendig ist, in welcher die starre kanonistische Doctrin die unverdeckte Ausübung solcher Geschäfte längst vollständig aus den Klostermauern herausgedrängt hatte. Seite 92. 2) Seite 96. 3)?osse8siouss addates, elerioi a. pauperidug odliZadaut et pseeatum 5aoers von ereäedant. N. 6. 88. XVII, S. 236, 15.